In jüngster Zeit spielt sich im Prenzlauer Berg verstärkt ein Kleinkrieg der besonderen Art ab. Auf der einen Seite Nostalgiker, die sich die „gute alte Zeit“ zurückwünschen, als man noch unter sich war und weit und breit keine Zuzügler wie beispielsweise aus Schwaben die Ostberliner Idylle störten. Auf der anderen Seite eine schwäbische Separatistenbewegung, die wild mit Spätzle um sich wirft und
die Errichtung eines eigenen Bezirk „Schwabylon“ fordert. Auch wir von der Bürgerinitiative „Besorgte Bürger Prenzlauer Bergs“ beobachten seit Langem die Entwicklungen im Bezirk kritisch. Dennoch fragen wir uns, inwieweit die gegenwärtige Diskussion die Lage adäquat abbildet. Probleme wie steigende Mieten, eine stetig wachsende Anzahl von Eigentums- und Ferienwohnungen oder kaum noch bezahlbare Kneipen/Restaurants/Cafés sind zweifelsfrei existent, können aber nicht einfach einfach „den Schwaben“ in die Schuhe geschoben werden. Das Problem sind eher solche Menschen, die sich beispielsweise keine Gedanken darüber machen, dass ihre schicke Eigentumswohnung im Altbau vielleicht früher mal eine billige Mietwohnung war, deren Bewohner leider den Bezirk verlassen mussten. Wo ist der empörte Aufschrei über eine solche Parallelgesellschaft des Wohlstands, in der soziale Widersprüche keinen Platz mehr haben, wo nur noch das Einkommen regelt, wer im Bezirk bleiben darf und wer wohl oder übel gehen muss. Entgegen einer solchen Segragation sollten im Prenzlauer Berg alle willkommen sein, außer Spießer, die sich nur um sich selbst kümmern und kein Interesse an der gemeinsamen Gestaltung eines bunten und vielfältigen Bezirks haben.