16/05/2021
Liebe Gäste!
Am 15. Juli 1973 haben wir das Stadthotel Eggenburg nach mehrjähriger Schließung wieder eröffnet.
Viele Eggenburger haben diesem Projekt keine lange Lebensdauer zugetraut. Die große Frage war, wie ein 20-Jähriger so einen Betrieb in die Zukunft führen soll. Nun, der 20-Jährige ist mittlerweile 68 Jahre alt, das Stadthotel steht noch immer, wurde im Laufe der Zeit zu einem gutbürgerlichen Restaurant, Wirtshaus und Hotel ausgebaut und war fast ein halbes Jahrhundert die Basis für viele touristische Aktivitäten in Eggenburg.
Da gab es wunderschöne Veranstaltungen: Toy-Run, Redemptoristen-Jugendtreffen, Kart-Rennen, Mittelalterfest, Eggenburger Festtage, die legendären Gebrauchtmaschinenschauen am Festgelände, das Mondscheinkino, Caterings bis nach Holland und nicht zuletzt die Ich-bin-Ich-Benefizgala - alles Veranstaltungen, an denen wir maßgeblich beteiligt waren.
Ganz besonders schön war aber der tägliche, persönliche Kontakt zu unzähligen Gästen in unserem Haus, von denen viele mittlerweile zu ganz lieben Freunden geworden sind.
Jetzt ist aber der Zeitpunkt gekommen, dieses Langzeitprojekt zu beenden.
Die vielen Jahre, knapp ein halbes Jahrhundert mit intensiven, fordernden und stresserfüllten 7-Tagewochen haben auch Spuren hinterlassen.
Dass der allgemeine gesellschaftliche und politische Zugang zur Gastronomie und Hotellerie in den letzten Jahrzehnten das Leben der Wirte nicht leichter gemacht hat, ist allgemein bekannt und wird an der Vielzahl der geschlossenen touristischen Betriebe sichtbar. Spezielle Problematiken, wie die Parkplatzsituation in der Kremserstraße, haben in der Vergangenheit viele Gäste, aber auch potentielle Kaufinteressenten von unserem Hotel abgehalten.
Ich habe seit einigen Jahren versucht eine Nachfolge für das Stadthotel auf die Beine zu stellen, um der Stadt diese Institution zu erhalten. Es gab auch ganz tolle Unterstützungszusagen aus dem Kreis unserer Gäste und Geschäftspartner - allein bei der Suche nach einem geeigneten Betreiber sind wir letztendlich gescheitert.
Nun sind wir seit über einem Jahr in einer nie erwarteten Corona-Pandemie mit allen ihren Folgen – auch unsere Familie war von dieser Krankheit betroffen - und die Zukunft stellt sich für mich als 68-Jährigen als nicht mehr planbar dar.
Daher habe ich mich kurzfristig entschlossen, das plötzliche Angebot einer Investorengruppe, unser Stadthotel zu kaufen, schweren Herzens anzunehmen. Die neuen Besitzer werden das Haus in Wohnungen umbauen.
Ich bedanke mich bei allen Gästen unseres Hauses, bei der Stadtgemeinde, den Behörden und den vielen Organisationen und Vereinen für die oft jahrzehntelange Unterstützung und Freundschaft.
Mein ganz großer Dank gilt unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den vielen langjährigen Lieferanten und Partnern für die gute Zusammenarbeit.
Wo Altes vergeht, wird neues Leben entstehen - mit dieser alten Lebensweisheit hoffe ich in Zukunft mit dem einen oder anderen ehemaligen Gast als privatem Freund in neuem Umfeld zusammensitzen zu können.
Werner Oppitz