15/03/2023
Ich stieg gerade geistesabwesend im dritten Stock aus dem Aufzug aus und war am Weg zu meinen Hotel-Zimmer, als ich am Flur eine Reinigungskraft bei der Arbeit sah. An sich nichts ungewöhnliches. Doch ich war etwas verdutzt, da mir das Gesicht bekannt vorkam. Ich musste dreimal hinsehen, bevor ich mir sicher war, dass dies das Gesicht der Hotelchefin Eva Goldmann war.
Sie war gerade dabei, die Müllsäcke zu tauschen und hatte sich die Handschuhe frisch angezogen.
Verdutzt fragte ich sie, ob sie die Hotelchefin sei. Sie lachte nur und sagte „ja klar!“. Sie merkte, dass ich relativ überrascht war und sagte nur „heute sind zwei Kolleginnen krank und da helfe ich einfach aus und übernehme den Dienst.“
Sie gab sich ihre Musik-Kopfhörer in die Ohren, lächelte und ging in ein Hotel-Zimmer, welches sie gerade reinigte.
Sie willigte sogar noch ein, als ich sie etwas später um ein Foto bat, um dieses Erlebnis später weiter zu erzählen.
Ich war nämlich gerade bei meinem jährlichen Business Retreat, bei dem ich mich einmal im Jahr alleine zurückziehe, um zu reflektieren und die neuen Themen auf Schiene zu bringen. Diesmal ging es nach Bad Hofgastein ins Hotel Sendlhofer's, mit dem ich gute Erfahrungen gemacht hatte.
Was ich an diesem Tag zwischen Aufzug und meinem Zimmer erlebte, war Best Practice für Leadership in Branchen, in denen der Fachkräftemangel viele im Griff hat.
Im Hotel sprach ich aus Neugierde mit einigen Mitarbeitern und alle bestätigten mir, dass es in diesem Hotel die Wehen des Fachkräftemangel so nicht gab und dass die Loyalität sehr hoch war. Ich erkannte auch, warum die Menschen gerne dort waren:
- die Unternehmensleitung packte selbst mit an (Lead)
- sie wurden gut bezahlt und auch sehr gut behandelt (Care)
- ihnen wurde vertraut (Trust)
Als ich mich mit dem Hotel mehr auseinandersetzte, erfuhr ich auch, dass Eva Goldmann dieses Hotel zusammen mit ihrem Freund Lukas Sendlhofer und dessen Schwester Martina Sendlhofer führte, obwohl sie selbst erst später dazu gekommen war.
Sie war Teil eines Familienbetriebes geworden und hatte die Möglichkeit bekommen, auch ihren Stil einzubringen.
Als ich Lukas Sendlhofer das erste Mal kennenlernte, erlebte ich einen genialen jungen Wilden, der eine traditionelle Branche weiterentwickeln wollte, weil er von seiner Familie auch die Freiheiten bekam.
In diesen wenigen Tagen erlebte ich, dass der Fachkräftemangel und das Problem der Betriebsübergabe an die nächste Generation nicht von Haus aus zum Scheitern verurteilt sind, sondern immer dann funktionieren wenn man die Grundzüge von Leadership versteht:
- Vorleben
- Inkludieren
- Wachsen lassen
Und das gilt für den Umgang mit allen Menschen im Business.
Ja, ich habe im Sendlhofers alles selbst bezahlt, daher keine bezahlte Werbung.