20/08/2025
Mir wird gelegentlich weiter erzählt, in diversen Kommentaren wird beklagt, dass ich die Leute mit ihren Fehlern die sie machen an den Pranger stelle.
Deshalb jetzt ganz kurz:
- Bei der Tourenplanung auch eine Umkehr in Erwägung ziehen, wenn der eigene Zeitaufwand deutlich die angegebene Wegzeit überschreitet.
- Auf Tourenapps nur dann verlassen, wenn man auch sicher damit umgehen kann.
- Genügend Flüssigkeit mitnehmen, um auch bei unerwartet längerem Zeitaufwand nicht zu dehydrieren.
Und falls es jetzt doch noch jemanden interessiert, was diesmal hinter meinen Tourentipps steckt, kommen hier die ganzen Geschichten.
Vor ein paar Tagen bekomme ich abends gegen fünf Uhr vom Arthurhaus eine Nachricht, Gäste von ihnen haben sich auf dem Weg verirrt. Sie sind seit sechs Uhr morgens unterwegs und ob ihnen jemand entgegen laufen könne.
So eine Beschreibung ist für uns schwierig, denn wenn nach 11 Stunden jemand noch am Weg ist, können wir zum einen überhaupt nicht einschätzen wo die Leute sind, und zum anderen, in welchem Zustand sie sich befinden.
Bei guter Sicht, sich am Weg zum Matrashaus zu verirren – ich weiß gar nicht wie man unseren Markierungsstangen derartig aus dem Weg gehen könnte.
Orientierung dürfte diesmal also normal nicht das Hauptproblem sein.
Bald darauf kam eine neue Nachricht, die Drei seien bei den Leitern.
Jetzt gibt es auf dem Weg zu uns rauf zwei Stellen mit Leitern.
Die eine ca. eineinhalb bis zwei Stunden unterhalb vom Matrashaus.
Eineinhalb Stunden entfernt rechnen wir bei einer normalen Gehzeit von 5 bis 6 Stunden.
Bei bisher elf Stunden Gehzeit, werden zwei Stunden bis zum Haus auf keinen Fall reichen.
Wenn sie wirklich erst bei den weiter entfernten Leitern sind, wäre es für die Drei viel besser wieder nach unten abzusteigen.
Aber wenn sie bis dahin schon so lange gebraucht haben, sind sie wahrscheinlich so erschöpft, dass ohne Bergrettung auch nichts mehr geht.
Die andere Leiter ist keine 10 Minuten vom Matrashaus entfernt.
Also ist Laura schnell los gelaufen um zu sehen, ob sie vielleicht doch schon bei den oberen Leitern sind.
Danach wollten wir weiter entscheiden, was zu tun ist.
Tatsächlich waren sie nicht mehr weit weg vom Haus, so dass sie pünktlich um 18:00 h zum Abendessen aufgeschlagen sind.
Beim Betreten der Gaststube wurden sie klatschend gefeiert.
Aber sicher nicht von mir.
Wenn ich bei einer normalen Gehzeit von 5 bis 6 Stunden, nach fünf Stunden gerade mal die Hälfte der Strecke hinter mir habe, sollte ich schon mal darüber nachdenken, ob ich da auf der richtigen Tour für mich unterwegs bin.
Auf meine Frage, warum sie denn so lange gebraucht hätten:
„Wir haben uns Zeit gelassen, viel fotografiert und oft Pause gemacht.“
Bei elf Stunden macht man keine Pause, da braucht man die Pausen, weil man sonst nicht mehr weiter kann.
Wie sich dann später rausgestellt hat, hatten sich die Drei nicht verirrt, sondern geirrt.
Ihre Bergfex App hatte zuerst noch 1,5 Stunden bis zum Matrashaus angezeigt
Als sie später wieder auf die App geschaut haben, zeigte die App plötzlich 2,5 Stunden bis zum Matrashaus an.
Das hieß für sie, sie müssten sich verhaut haben.
Bei uns stehen im oberen Teil des Weges wirklich alle paar Meter die Markierungsstangen, damit man auch bei Nebel den Weg findet.
Aber wenn eine App etwas anderes sagt, dann müssen wohl die Markierungsstangen falsch sein.
Das vielleicht mit der App irgend etwas nicht stimmt, scheint heutzutage außer Frage zu stehen.
Gestern Abend , als wir gerade das Abendessen ausgeben, kommt ein Anruf auf den Anrufbeantworter:
„Wir sind ungefähr am Lammkopf. Wir sind ziemlich erschöpft und wissen nicht ob wir es schaffen. Kann uns jemand mit trinken entgegen kommen!“
Zuerst haben wir noch das restliche Abendessen ausgegeben, dann ist diesmal Magdalena los gelaufen um den beiden zu helfen.
Auch hier wieder das gleiche Problem, wenn die beiden wirklich nicht weiter können, dann wäre es am besten gleich den Hubschrauber zu rufen.
Bevor es dunkel ist und es für die Bergrettung eine Riesen Geschichte bei einer nächtlichen Bergungsaktion wird.
Oder ist es halt wieder mal nur eine unzureichende Tourenplanung mit zu wenig Wasser für die Länge der Tour?
Da wird der eigene Durscht ein wenig überdramatisiert, damit auch sicher jemand kommt um zu helfen?
Tourenplanung heißt nicht nur zu planen was man machen will, sondern auch zu überlegen ob man das auch vernünftig machen kann, was man will.
Fast jedes Mal, wenn ich in diesem Jahr bei den diversen Geschichten danach gefragt habe, warum denn nicht rechtzeitig umgedreht worden ist, bekam ich die Antwort
„Wir wollten das unbedingt machen!“
Kaum jemand hinterfragt ein wenig kritisch welche Fehler er dabei gemacht hat.
Und dann lässt sich natürlich auch nichts draus lernen.