Der 22-jährige Carlo Schmid will als jüngster Pilot der Geschichte die Welt in einem Kleinmotorenflugzeug in 80 Tagen allein umrunden: 40.000 Kilometer, 24 Länder in Europa, Afrika, Asien und Nord-Amerika. Januar 1990 in Thalwil geboren, wuchs aber in Kloten auf, im Schatten der Flugzeuge die täglich auf einem der regsten interkontinentalen Flugplätze der Welt landen und starten. Von klein auf wa
r das Flughafenareal sein Anziehungspunkt, und vom Zaun aus betrachtete der kleine Carlo gebannt das Kommen und Gehen der stolzen Luftmaschinen. Die Faszination ergab sich beinahe von selbst. Aber ebenso entscheidend war die Rolle seines Vaters. Fliegen war dessen Lieblingsthema, und bei stürmischem Wetter nahm er den Kleinen oft zur Anflugschneise mit, wo er die gekonnten Landemanöver der Berufspiloten trotz heftigen Winden zu bewundern lernte. Im Jahre 2001 machte der Vater einen Segelflugkurs und da war es unvermeidlich, dass Carlo auch mal mitdurfte. Dieses Erlebnis an einem nebligen Morgen mit langen Wartezeiten war für den 11-Jährigen entscheidend. Fluglehrer Max Morf erteilte ihm die erste Autofahrstunde, indem er ihn in einen Jeep setzte und ihn Kupplung schleifen sowie Gas geben liess. Dieser Moment, gefolgt vom anschliessenden Segelflug als Passagier, infizierte Carlo Schmid sozusagen mit dem Fliegereivirus. Klar, dass er seinen Vater in der Folge stetig begleitete. Er schildert diese Zeit wie folgt: „Sonniges Wetter, luftige Höhen. Es war purer Spass!“ Spass, aber auch ein harter und fordernder Lernprozess. Carlo eignete sich die Brevets im Eiltempo an. Mit dem erforderlichen Mindestalter von 15 Jahren startete er seine Fliegerkarriere bei der Segelfluggruppe Winterthur. Ein Jahr später absolvierte er erfolgreich die Prüfung zum Erwerb der Segelfluglizenz und kurz darauf die Lizenz für Passagierrundflüge. Mit 17 Jahren wurde er Mitglied der Motorfluggruppe Zürich und lernte schon damals die Abläufe eines internationalen Flughafens wie Zürich kennen. Noch im selben Jahr wurde er stolzer Besitzer eines PPL-Brevets (Privat Piloten Lizenz) und absolvierte anschliessend die Weiterbildung auf einer Cessna 172 sowie einer Cessna Thielert Centurion Turbo (Dieselmotor). Darauf folgte die Schulung auf der Super Dimona und dem Schleppflugzeugtyp Maule mit Verstellpropeller und Heckrad. Interessant dabei war, dass das Durchschnittsalter der Segelfluggruppe um die 40 Jahre betrug. „Es war eine Lebensschule, ein Reifeprozess. Ich konnte von den Erwachsenen profitieren“, berichtet Carlo Schmid, der seinen Vater bei dessen Flugstunden jeweils am Flugfunk begleitete und zu einer Art Maskottchen avancierte. Dass er die Brevets in rekordverdächtiger Zeit erwarb, begründet Carlo wie folgt: „Ich war zielorientiert, habe dafür gelebt.“ Vom Lohn aus der Berufslehre floss rund 95 Prozent in die Fliegerei. Er habe sich Prioritäten gesetzt, das Geld mit Nebenjobs aufgetrieben, im Ausgang auf einen zusätzlichen Drink verzichtet, das Mittagessen von daheim mitgenommen. Neben dem Fliegen durfte natürlich die Berufsausbildung nicht vernachlässigt werden. Die Schmid sind eine richtige Bankerfamilie. Vater und Mutter arbeiteten auf der Bank, genau wie seine beiden jüngeren Brüder Klemens (geboren 1992) und Lukas (1997), der gegenwärtig eine Bankenschnupperlehre absolviert. Mit diesem Background war es nur natürlich, dass er 2006 eine Kaufmännische Berufslehre mit Berufsmaturitätsschule bei einer Bank begann, die er mit 19 Jahren abschloss. Bis zum Neujahr 2011 arbeitete er auf seinem Beruf und nahm an einem Förderprogramm im Firmenkundenbereich teil. Und noch ein wichtiger Einfluss: in Kloten gibt’s nicht nur Flugzeuge und Banken, ebenso berühmt ist die Gemeinde fürs Eishockey. Lebensjahr spielte und trainierte Carlo bei den Kloten Flyers. Er stiess bis auf Stufe Novizen Elite vor. Diese sportliche Betätigung sei eine wichtige Erfahrung gewesen: „Der Sportgeist hat mich gepackt. Ich habe gelernt, in einem Team zusammenzuarbeiten und etwas zu erreichen.“
Entscheidend für seinen Werdegang und seine Charakterentwicklung und seine Sicherheit war ohne Zweifel auch der Einfluss seiner Mutter, die am 25. August 2010 an Krebs verstarb. “Sie motivierte und begeisterte mich mit ihrem Willen und Durchhaltevermögen. Ihr Charakter war einzigartig“, erzählt Carlo Schmid. Seine Mutter sei eine flugängstliche Person gewesen. Beim ersten gemeinsamen Flug habe sie zunächst Schwierigkeiten gehabt, Vertrauen in die Geschicke ihres Sohnes zu legen. Kaum seien sie allerdings in der Luft gewesen, wollte sie nicht mehr runter. Nach ihrem Tod, der ihn hart traf, nahm er sich ein Timeout und überlegte sich, wie es weitergehen sollte, was er im Leben erreichen wollte. Die Entscheidung fiel zugunsten der Weltumrundung, die ihn, seit er seine Pilotenausbildung abgeschlossen hatte, beschäftigte. Von da an hatte er seine eigene Vision. Im Internet recherchierte er nach bisherigen Weltumrundungen und liess sich durch Blogs anstecken. Die Reiseberichte waren wichige Motivationsantriebe, Länder zu besuchen und fremde Kulturen kennenzulernen. Als Vergleich und Massstab dient Carlo der bisherige amerikanische Rekordhalter Irving Barrington, der 2007 als 23-Jähriger mit Unterstützung von grossen Firmen wie Microsoft, Hilton und Nasa um die Welt flog. „Ich weise mit meinem Vorbild hohe Ähnlichkeiten bei den allgemeinen Voraussetzungen auf, jedoch verfüge ich über die grössere Flugerfahrung“, erläutert Carlo.Um sich vollumfänglich dem Projekt RTW 2012 zu widmen, kündigte er anfangs 2011 bei der Bank. In den ersten sechs Monaten gelang es ihm und seinem RTW-Team, den Meilenstein hinzukriegen und das Budget fürs gesamte Projekt zusammenzubringen. Der Weltrekordflug wird natürlich seiner Mutter gewidmet sein. Carlo Schmid und sein Team gehen mit Leidenschaft voran: Sie gründeten eine GmbH und haben mit Institutionen wie TCS und Firmen wie die Flughafen Zürich AG hochkarätige Partner für „RTW 2012 – round the world for children“ gefunden. Ein wichtiger Pfeiler von «RTW2012 – round the world for children», daher der Name des Projekts, ist eine Sammelaktion zugunsten UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Während der Weltumrundung wird Geld für bedürftige Kinder gesammelt. Der Reinerlös der Aktion wird vollumfänglich und exklusiv an UNICEF Schweiz zugunsten von Bildungsprogrammen in Indien weitergegeben. Hauptziel ist es, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen den Jungen von einem Gleichaltrigen näher zu bringen. Jugendliche sollen für die Aufgaben und Ziele der Unicef sensibilisiert werden. RTW2012 - initiiert, geplant und umgesetzt durch die junge Generation, scheint prädestiniert für diese Aufgabe zu sein. Dieser Spirit steckt hinter dem Projekt. Was anfänglich mit Carlos begeisterter Lust an der Fliegerei begann, ist längst zu einer Faszination fürs Projektmanagement geworden. „Gigantisch wie wir den Traum gemeinsam durchziehen” sagt Schmid stolz. Das RTW-Team arbeitet praktisch unentgeltlich und auch die Fach-Spezialisten verzichten auf einen beträchtlichen Teil ihrer üblichen Honorare. Er ist sich über die enormen Ansprüche bewusst, welche an ihn als Piloten gestellt werden: „Um über sechs Stunden hoch konzentriert alleine im Flugzeug zu sitzen und bei allfälligen schwierigen Situationen einen ruhigen Kopf zu bewahren, betreibe ich ein mehrwöchiges und tiefgründiges Mentaltraining.“ Die physischen Voraussetzungen eignet sich der Klotener in einem wöchentlichen Trainingsablauf und bei Testflügen wie nach Nairobi an. Keine Frage, Carlo Schmid verfolgt seinen Lebenstraum mit unbändigem Willen: „Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, ziehe ich es auch durch. Meine Devise lautet: Vielleicht scheitere ich, aber ich werde nie aufgeben.“ Seit 1929 haben 87 Piloten eine Solo-Weltumrundung erfolgreich abgeschlossen
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