11/05/2021
WUT IM BAUCH. 😡
Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Schwesig,
In kaum einem anderen Bundesland ist die Tourismusbranche so bedeutend und trägt mit einem Bruttoumsatz von 5,1 Mrd. Euro im Jahr erheblich zur Sicherung von Wohlstand und Auskommen der Bürger Mecklenburg- Vorpommerns bei.
Unsere Familie führt seit 25 Jahren einen Hotelbetrieb auf der Insel Usedom in Seebad Heringsdorf. Sie kennen unser Haus von verschiedenen Anlässen. Wir haben 1996 mit 20 Mitarbeitern begonnen und stehen im Jahr unseres 25. Jubiläums bei einer Zahl von 65 festangestellten Mitarbeitern. Diesen und Ihren Familien sichern wir eine ganzjährige Festanstellung. Derzeit bilden wir auch in der Pandemie sechs Jugendliche aus Mecklenburg-Vorpommern aus.
Im zweiten Jahr der Pandemie und nach den insgesamt fast 6 Monaten der behördlich angeordneten Betriebsschließung, von Ihnen zu hören, dass es jetzt nur mit einem ,,Knallhart-Lockdown" funktionieren wird den Inzidenzwert in den Griff zu bekommen, ansonsten werde es im Sommer gar keinen Tourismus in MV geben. Was möchten Sie hiermit zum Ausdruck bringen? Waren die letzten sechs Monate der Schließung unserer Betriebe im Endeffekt ineffiziente Kollateralschäden? Dem Tourismus kann man die hohen Inzidenzen bundesweit und im Land nicht zuschreiben, er existiert seit einem halben Jahr schlicht nicht mehr. Vielleicht wären wir ja auch eher die Lösung als das Problem, würde man den Menschen unter Beachtung strenger und konsequenter Hygieneregeln ermöglichen einen Restaurantbesuch zu unternehmen oder sich in einem Ferienapartment bzw. Hotelzimmer weitgehend autark und kontaktarm ein paar Tage zu erholen.
Unsere Mitarbeiter und wir selbst als Unternehmerfamilie leisten seit nunmehr über einem Jahr unseren solidarischen Beitrag zur Pandemiebekämpfung. Unser Betrieb, unsere Branche darf im Gegensatz zu vielen anderen Wirtschaftszweigen überhaupt nicht mehr arbeiten. Aber ist es richtig, dass nur einige wenige Branchen Ihren Beitrag leisten? Nur deren Mitarbeiter mit Kurzarbeit und den psychosozialen Folgen des Lockdowns belastet sind und es in der übrigen Wirtschaft immer noch keine verpflichtenden Auflagen zum Homeoffice, Testen etc. gibt.
Im Land Mecklenburg Vorpommern wurden seit Jahren systematisch Kapazitäten in den lokalen Krankenhäusern abgebaut. Gerne würden wir erfahren, welche Intensivbett-Kapazitäten in Erwartung der zweiten und dritten Infektionswelle im letzten Jahr geschaffen wurden, so dass die medizinische Versorgung jederzeit gewährleistet ist? Wann können Sie den Bürgern flächendeckend und altersunabhängig ein Impfangebot unterbreiten? Wir sehen, dass ein entsprechend entschlossenes Vorgehen in vielen Ländern der Welt zu einer zügigen und erfolgreichen Bekämpfung der Covid-19 Pandemie geführt hat.
Wir wünschen uns eine Landesregierung, die die Pandemie effizient, effektiv und ehrlich bekämpft. Ist es da hilfreich, wenn dem politischen Gegner im Wahljahr hinsichtlich seines Landkreises Vorpommern Greifswald vorgehalten wird, die Zahlen inkorrekt zu melden? Stumpfe Schließungen und wenig konstruktive Lösungsansätze helfen uns nicht mehr weiter.
Die öffentliche Hand unterliegt hier wie jedes private Unternehmen der gleichen Verpflichtung wirtschaftlich, zielführend und vor allem sozial verantwortlich zu arbeiten. Erlauben Sie uns die Anmerkung, dass ein privates Unternehmen dieses Umsetzungstempo nicht überleben würde und erlauben Sie uns auch die Anmerkung, dass wir uns große Sorgen um unsere Mitarbeiter und deren Familien machen, deren faktisches Berufsverbot und Ungewissheit eine nicht mehr hinzunehmende Belastung darstellt.
Wenn unser Land jetzt einen Alleingang unabhängig von der sogenannten Bundesnotbremse gehen kann, hätte es diesen doch schon vor Monaten gehen können und müssen. Im Hinblick auf die wirtschaftliche Situation der touristischen Betriebe in Ihrem Land, aber auch der Schulkinder und des allgemeinen Infektionsgeschehen wären wir dann vielleicht ein ganzes Stück weiter.
Wir erwarten von Ihnen eine konkrete Perspektive oder die ehrliche Antwort, dass es diese Perspektive nicht mehr geben wird und die auf die Pandemie folgende ,,Marktbereinigung" sich vieler unserer Betriebe annehmen wird.
Ihre Familie Wehrmann
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