28/08/2026
Mercedes - Benz „Tausendfüßler“
Was ist das denn für eine Konstruktion? So fragen sich sicherlich manche, die diesen merkwürdigen, alten LKW zum ersten Mal sehen.
Die beiden lenkbaren Vorderachsen haben tatsächlich keinen technischen Vorteil.
Warum der Mercedes - Benz LP 333 mit dem Spitznamen „Tausendfüßler“ trotzdem gebaut wurde, klären wir im folgenden Bericht.
Am 21.03.1956 verkündete der damalige Verkehrsminister Hans-Christoph Seebohm eine zukünftige Neuregelung des Straßenverkehrs in Deutschland. Ab dem 1. Januar 1958 sollte die neue Straßenverkehrszulassungsordnung in Kraft treten. Ein Ziel war es, den LKW Verkehr einzuschränken und mehr Güter mit der Bahn zu transportieren.
Ab dem 1. Januar 1958 durften zweiachsige LKW statt 16 Tonnen nur noch 12 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht haben. Das bedeutete 4 Tonnen weniger Nutzlast und somit weniger Effizienz für die Speditionen. Für die LKW Hersteller bedeutete es, dass die schweren LKW mit nur zwei Achsen nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben waren und somit kein Absatz mehr zu erwarten war.
Mercedes reagierte auf die neue Gesetzgebung. Schnell wurde der LP 333 konstruiert. Bereits im Jahr 1958 konnte man den neuen LKW mit den beiden gelenkten Vorderachsen kaufen. Er durfte nicht nur 4 Tonnen mehr Zuladung bewegen als ein LKW mit zwei Achsen, sondern er ließ sich auch leichter kuppeln und dank Lenkunterstützung leichter lenken als seine Vorgänger. Das Fahren war aber trotzdem kein reines Vergnügen. Der Sechszylindermotor mit 10,8 Liter Hubraum und etwa 200 PS befindet sich direkt unter der großen Abdeckung im Fahrerhaus. Folglich ist es dort sehr laut und durch die Hitzeentwicklung im Sommer sehr warm.
Im Jahr 1960 wurde die Gesetzgebung erneut geändert. Ab 1960 durften zweiachsige LKW wieder mit 16 t Gesamtgewicht fahren. Deshalb wurde der LP 333 nur von 1958 bis 1961 gebaut. In dieser relativ kurzen Bauzeit entstanden insgesamt 1833 Fahrzeuge. Entsprechend selten trifft man heute einen an.