22/08/2017
Geistfalle unterwegs – Teil 3
La Mongie ist der letzte Ort vor dem Pic du Midi, einem gewaltigen Solitär vor der eigentlichen Pyrenäenkette, fast so hoch wie die Zugspitze. Auf 1400 Meter Höhe ziehen die Wolken direkt durch das Städtchen. Die Straße geht weiter bis zum berüchtigten Tourmalet auf über 2000 Meter Höhe, über den sich täglich hunderte Radsportler quälen. Schön gelegen, aber furchtbar verbaut, bietet La Mongie große Parkplätze, niedrige Baracken mit Bars und klotzige Hotels, denen die Witterung jedes Jahr aufs Neue die Fassade zernagt.
Die Geistfalle hat sich einen Platz in der Mitte eines Kreisverkehrs aus grauem Asphalt mit grauem Schiefer ausgesucht, wo sie wirkt wie eine Telefonzelle für dringende Fragen. Absurd aufragende Stelen, faul herumtreibende Wolken und ein diffuses Berggeschehen in monotonen Farben rahmen sie ein. Niemand hat sie direkt angesprochen, aber Geist drückt sich auch in Gesten und Blicken aus. Verstanden hat es niemand, warum da ein Holzkästchen stand. Aber schlimm ist das nicht. Jedenfalls nicht für eine Geistfalle.
Konzept, Bild & Text: Martin Henseler