22/06/2026
Reisen war lange kein Freizeitvergnügen.
Corina Gall beschreibt in der NZZ Neue Zürcher Zeitung sehr spannend, wie jung unsere heutige Art des Reisens eigentlich ist.
Die ersten großen Reisen sind schon aus der Antike überliefert: Pilgerreisen der Griechen, Römer und Ägypter. Manche Routen leben bis heute weiter – etwa als Hajj nach Mekka, als Reise zum Ganges oder nach Jerusalem.
Früher reisten Menschen also vor allem aus religiösen, wirtschaftlichen oder politischen Gründen: Pilger, Kaufleute, Entdecker, Adlige. Später wurde Reisen zur Bildungsreise der Elite zur berühmten „Grand Tour“ durch Europa.
Heute fliegen Menschen für ein Wochenende nach Barcelona, buchen eine Kreuzfahrt oder suchen online nach dem nächsten „Geheimtipp“.
🚆 Technik machte Reisen schneller
Eisenbahn, Dampfschiff, Economy-Class und später Billigflieger haben Entfernungen schrumpfen lassen.
📦 Thomas Cook machte Reisen skalierbar
Schon 1841 organisierte er eine Zugreise mit rund 500 Passagieren – inklusive Programm, Verpflegung und Unterhaltung. Aus Reise wurde Produkt.
🏖️ Bezahlter Urlaub war der eigentliche Gamechanger
Die ersten gesetzlich bezahlten Ferien erhielten deutsche Brauereiarbeiter 1903: drei Ferientage im Jahr. In Deutschland wurde bezahlter Urlaub auf Bundesebene erst 1963 gesetzlich gesichert.
💻 Das Internet machte Reisen jederzeit buchbar
Heute beginnt die Reise oft nicht am Bahnhof oder Flughafen, sondern auf Booking, Airbnb, Google oder direkt beim Gastgeber.
🌍 Massentourismus ist das Ergebnis von Zeit, Geld, Technik und Organisation
Mehr Freizeit, mehr Einkommen, günstigere Mobilität und einfache Buchbarkeit haben Reisen demokratisiert.
Die Herausforderung heute ist deshalb nicht, Reisen schlechtzureden.
Die Herausforderung ist, Tourismus besser zu steuern.
Für Städte, Gastgeber und Plattformen bedeutet das: mehr Qualität, mehr Verantwortung und mehr Rücksicht auf die Menschen vor Ort.
Denn Reisen bleibt etwas Schönes.
Aber Massentourismus zeigt: Nicht jeder Ort wird besser, wenn alle gleichzeitig hinfahren.