03/10/2026
Heute geht es mal mehr als 100 Jahre zurück.
Duhnen um 1912
Es ist ein kühler, doch lichtdurchfluteter Tag im Jahr 1912. Das Watt vor der Küste liegt friedlich und spiegelglatt da, gezeichnet von den feinen Spuren des abgelaufenen Wassers und winzigen Gezeitenlöchern. Ein Fotograf hat sein schwertransportables Stativ tief im Wattboden aufgebaut, um diesen Augenblick für die Ewigkeit festzuhalten – die stolze Silhouette des noch jungen Seebades Duhnen.
Wer den Blick von links nach rechts über das Panorama schweifen lässt, begibt sich auf eine kleine Zeitreise:
Ganz links schaut die elegante Strandvilla von Ernst Schumacher über den Deich. Ein Gebäude, das den Stürmen der Zeit trotzen sollte – denn auch heute steht es noch fast unverändert an derselben Stelle (und lockt Einheimische wie Auswärtige als Heimat von Muttis köstlichen Fischbrötchen). Direkt daneben erstreckt sich der Hof von Schumacher und das malerische Haus Skulda (das spätere Haus in der Sonne hieß, wo heute das Haus Hanseatic seinen Platz hat). Daneben fügt sich das zeitlose Hotel Am Meer in die Reihe ein, genau so vertraut, wie man es auch weit über ein Jahrhundert später noch kennt.
Doch der unbestrittene Blickfang thronend in der Mitte ist das imposante Duhner Kurhaus. Erst vor acht Jahren, im Jahr 1904, erbaut, ragt das mächtige Bauwerk empor. Seine vier charakteristischen Ecktürme tragen stolz Fahnen, die sanft im Nordseewind wehen, während sich die helle Fassade spiegelglatt im nassen Wattboden bricht.
Gleich rechts neben dem Kurhaus reiht sich das stilvolle Strandhotel Duhnen an, gefolgt vom Anwesen des Kaufmanns Kriedemann – wo sich Besucher heute im Aparthotel Kamp erholen. Weiter der Küstenlinie folgend erkennt man die Wattenpost der Familie Brütt, ein verlässlicher Ankerpunkt im Ort, der ebenfalls bis heute fast unberührt geblieben ist.
Ein Stück höher, erhaben auf dem Wehrberg, wacht die Villa Wehrberg von Adolph Grube (heute das Hotel Wehrburg) über das Treiben an der Küste. Darunter leuchtet das weiße Haus von Pape (die spätere Wäscherei Grunert und das heutige Seeschlößchen), dicht gefolgt vom bescheidenen kleinen Backsteinhaus des Schusters Johann Pape. Ganz im Hintergrund zeichnet sich schließlich die Silhouette des Kinderheims der Christian-Görbe-Stiftung ab.
Den Abschluss zur Rechten bildet der hölzerne Lagerschuppen direkt auf dem Deich, in dem fleißige Hände die Badekabinen für die Saison verwahren. Daneben erstrecken sich die hölzernen Ausläufer der historischen Duhner Seebrücke weit ins Watt hinein.
Der Himmel über der Szenerie ist von zarten Wolkenfeldern durchzogen, durch die das Abendlicht sanft bricht. Es ist die ruhige, erhabene Atmosphäre der Anfänge des Seebades Duhnen – eingefangen in einem atemberaubenden Augenblick der Küstengeschichte.