26/06/2026
Gastronomie der letzten 6 Jahre – ein Appell an alle, die noch gerne essen gehen.
Erst haben sie uns zugesperrt.
Wir sollten flexibel bleiben. Also haben wir Hygienekonzepte geschrieben, Tische verrückt, Plexiglas gebaut, gegen eine unsinnige 5-m²-Regel geklagt – und gewonnen. Gearbeitet haben wir nach Verordnungen, die sich fast wöchentlich änderten.
Dann haben sie die Regeln geändert. Immer und immer wieder.
Jede Pressekonferenz war eine Wundertüte. Kaum hatten wir 3G verstanden, kam 2G. Kaum lief 2G, kam 2G plus. Und wir durften es jedem Gast erklären. Trotzdem haben wir nicht aufgegeben: Wir haben den weltweit ersten Apfelwein-Drive-in gebaut, sind viral gegangen, haben gekämpft, renoviert und uns neu erfunden.
Dann wurden Strom und Gas zum Luxus.
Jeden Monat Rechnungen, die in keine vernünftige Kalkulation mehr passten.
Dann explodierte der Einkauf.
Butter, Fleisch, Gemüse, Öl, Getränke – plötzlich war alles teurer. Und die Speisekarte kommt mit dem Nachpreisen nicht hinterher.
Dann, endlich, die Entlastung: 7 % Mehrwertsteuer auf Speisen.
Mit dem Versprechen:
„Das schaffen wir nie wieder ab.”
Spoiler: Doch.
Kaum gesagt, waren die 19 % wieder da. Und wir durften erklären, warum das Schnitzel schon wieder teurer ist. Versprochen wurde Entlastung. Geliefert wurde die nächste Rechnung.
Dann das Personal.
Zehntausende haben die Branche während Corona verlassen. Die Lösung von oben: „Die Gastro muss eben attraktiver werden.” Schön gesagt. Aber gutes Personal bestellt man nicht bei Amazon. Man bezahlt es anständig, schätzt es täglich und hält es.
Sechs Jahre Chaos. Kostensteigerungen wie nie.
Dauernde Personalsorgen.
Bürokratie ohne Ende.
Und jetzt geht’s den Minijobs an den Kragen.
Ausgerechnet den Menschen, die unsere Samstage, Sonntage und Feiertage retten. Die freiwillig einspringen, damit unsere Festangestellten nicht in Überstunden ertrinken.
Erste Regel der Gastro:
Lass niemals dein Team hängen. Deshalb erkennen wir schlechte Kollegen sofort – auch wenn sie im Bundestag sitzen.
Ja, die Rente muss gerettet werden. Aber tut nicht so, als wäre der Wegfall des Minijobs alternativlos. Ist er nicht.
Für jeden handwerklich seriös arbeitenden Wirt ist dieser Schritt ein Desaster. Minijobs sind in einer hochvolatilen Branche das einzige Instrument, mit dem wir die extremen Auslastungsschwankungen eines Restaurants überhaupt noch realistisch abbilden können.
ES REICHT.
Lasst den hartarbeitenden Mittelstand mit solchen Vorschlägen in Ruhe.
Deshalb unser eindringlicher Appell:
Hören Sie den Menschen zu, die täglich Verantwortung übernehmen, Arbeitsplätze schaffen und mit großem Einsatz ihre Betriebe führen.
Der Mittelstand braucht keine weiteren Belastungen.
Er braucht endlich Verlässlichkeit, Planungssicherheit und politische Entscheidungen mit Augenmaß.
Lassen Sie uns arbeiten. Unterstützen Sie die Menschen, die jeden Tag für Gastfreundschaft, Lebensqualität und lebendige Innenstädte sorgen.
Denn ohne Gastronomie verlieren wir weit mehr als nur Restaurants. Es verliert Begegnungsorte, Kultur und ein Stück Heimat und ihr steht demnächst alle bei den Fast-food Ketten in der Schlange zum Self-Order Terminal und esst aus Pappschalen im stehen.