05/03/2025
Seit Jahrtausenden wird Kuhmilch getrunken. Dann kam die Idee, alles andere zu «melken»: Hafer, Soja, Erbsen. Wer sich Kuhmilch in den Cappuccino rührte, galt in gewissen Kreisen als ignoranter Umweltsünder, Tierquälerin oder Hinterwäldler, schreibt Bellevue, das Webportal der NZZ zu Lifestyle-Fragen. Die Wahl der Milchalternative wurde zum Statement.
Doch dann begann sich eine Gegenbewegung zu formieren. Die Autorin Emily Sundberg beobachtete schon 2021, dass «hot girls» in Cafés nach Milch verlangten. Die Kuhmilch als Provokation – rebellisch, unkonventionell und irgendwie cool.
2024 machten «Warum ich wieder Vollmilch trinke»-Videos die Runde, Influencer kippten literweise Milch vor laufender Kamera. Das neue Interesse hat auch mit der Angst vor ultraverarbeiteten Lebensmitteln zu tun. Kuhmilch ist natürlich – im Gegensatz zu Pflanzendrinks, denen viele Hersteller Nährstoffe, Verdickungsmittel, pflanzliche Öle, Süßungsmittel oder Aromen zufügen.
Diese Sehnsucht nach Ursprünglichkeit hat vorerst Rohmilch in einen Mainstream-Wellness-Trend verwandelt. Rohmilch birgt, wie andere nicht erhitzte Lebensmittel, jedoch ein gewisses Risiko – insbesondere für bakterielle Infektionen. Wer von den gesundheitlichen Vorteilen von Milch profitieren will, muss nicht gleich zur Rohmilch greifen. Auch pasteurisierte Milch ist um einiges gesünder als ihre pflanzlichen Verwandten, wie die Forschenden des Kompetenzzentrums Agroscope herausgefunden haben. Keiner der 27 pflanzenbasierte Drinks kommt an Milch heran; diese hat mehr Vitamine und Mineralstoffe, mehr Eiweiß und Energie, hochwertigeres Eiweiß und ist ein wichtiger Kalzium-Lieferant – passt doch zum aktuellen Gesundheitstrend.
https://bellevue.nzz.ch/kochen-geniessen/von-hafermilch-zurueck-zur-kuhmilch-was-ist-da-passiert-ld.1866821