12/02/2023
Na LOGO
Die Mutter: “Klein Erna, zieh dich an, wir gehen nach Planten un Bloom.”
Klein Erna: “Ach nö.”
Die Mutter: “Komm schon. Gäbs Planten un Bloom nicht, gäbs dich auch nicht.”
Sowas mussten wir uns in den 70ern ständig anhören. Klein Erna und Klein Fritzchen Witze.
Aber jetzt mal ehrlich. Gäbs das Logo nicht, gäbs auch kein After Midnight?
Nein, ganz so nun auch wieder nicht. Aber das Logo und speziell John Boutkam waren ausschlaggebend für die Gründung und die Anfangserfolge. Mein Freund Renald und ich hingen Anfang der 80er ständig im Logo rum. Ich hing da schon vorher, aber mit ihm wohl noch öfter und er hat mich auch nicht dort gepflückt. Ging man nämlich alleine rein und mit einer Person des anderen Geschlechts raus, hatte man sofort eine Affäre an der Backe. So sahen es wenigstens die Mitarbeiter und die Freunde. Dem war zwar manchmal so, aber nicht immer. Als dann Renald auf den Plan kam, wurde alles etwas gesitteter. Wir haben sogar mal geholfen beim renovieren. Ich hab einen Teil der Decke gestrichen, die alte Farbe, die 100x überpinselt war, fiel mir dabei immer ins Gesicht. Ich kann euch heute noch die Stelle zeigen. Als wir also mal wieder so rumhingen, fragten wir John, wo er eigentlich die Bands, die im Logo auftreten, unterbringt. “In der Pension gegenüber.” “Und wenn wir eine Pension hätten?” “Dann bei euch, wenn es nicht teurer wird.” Die Idee zündete.
Ich saß gelangweilt in meinem Second-Hand Shop Kladderadatsch im Karoviertel und las eine Anzeige, wahrscheinlich im Oxmox, wo ich später mal kurz tätig war: 'Zwei Familienhaus in HH Niendorf zu vermieten.' Wir guckten uns das an, es gefiel, es wurde gemietet und so nahm das Abenteuer seinen Lauf. Ich als gelernte Hotelfachfrau und Renald als Hobbymusiker und Allroundhandwerker:
1+1= Musikerhotel. Deutschlands erstes.
Das Logo buchte dann tatsächlich fast alle Bands bei uns ein und obwohl man denken könnte, Niendorf wäre zu weit außerhalb, war man nachts in 15 Minuten dort, vom Logo aus. Zum Kiez dauerte es fast länger. Es wurde dann schnell zu eng und wir eröffneten ein größeres Hotel in Alsternähe und auch andere Clubs buchten ihre Musiker bei uns. Aber darum geht es ja heute gar nicht, sondern ums Logo - Hamburgs lauteste Sauna. Wenn Bands bei uns nächtigten, die im Logo auftraten, gingen wir natürlich mit. So sahen wir im Laufe der Zeit eine bunte Mischung von Musikstilen aus aller Herren Länder. Guckt euch einfach die Gästebücher an.
Herman Brood kam jährlich um Weihnachten rum, Vitesse wurden Stammgäste, die Crackers und andere blieben über Wochen, wenn sie im Studio waren.
Als das After Midnight Ende 1986 schloss, blieb ich dem Logo trotzdem treu. Die Besitzer wechselten von John und Lisa zu Olli und Melanie, später übernahm dann Karsten Schölermann zusammen mit Eberhard und Ursula das Zepter. Irgendwann wurden meine Besuche weniger, weil die Musikrichtung sich stark gen Metal entwickelte. Oder ich mich einfach woanders hin, obwohl ich eine Weile in den Grindelhochhäusern wohnte, also fast einen Steinwurf vom Logo entfernt. Ich besuchte Olli und Melanie mal irgendwo auf dem Land, als ich ne Wohnung suchte und sie etwas im Angebot hatten, hat sich aber nicht ergeben. Es gibt auch kaum alte Tickets vom Logo, weil wir ja immer gratis reinkamen, danke nochmal dafür.
Unvergessen war ein Konzert von The Comets, ohne Bill Haley, davon berichtete ich glaub ich schon. Ronny & The Hot Potatoes , Van Straaten, Dirty Dogs and The Undertakers, The Cult, The Real McCoys (später auch als Jeremy Days), Steve Marriott, Stone Roses, Sator, Extreme, Cake, Redd Cross, Mambo Kurt, Extrabreit wie immer. Gab garantiert noch mehr, aber wenn ich im Gedächtnis oder in alten Kalendern suchen muss, stimmt unvergessen nicht so ganz.
Mein persönliches Highlight im Logo war mein 30ster Geburtstag. Das Logo, ich glaube mich zu erinnern, mit Olli und Melanie als Manager, stellte den Club gratis zur Verfügung, wo gibt es denn sowas noch. Statt Geschenke nahmen wir 10 Mark Eintritt, dafür gabs Bier und Softdrinks, bis die Kasse leer war. Die Rubbermaids brachten die Backline und spielen auch, The Paranoiacs oder Union Carbide schafften es leider nicht nach HH. Dafür war so ziemlich jeder anwesende Musiker im Raum in irgendwelchen Formationen auf der Bühne. Über den Verlauf des Abends hüllt sich der Hamburger Dezembernebel. Es gibt keine Fotos, vielleicht auch gut so.
https://de.wikipedia.org/wiki/Logo_(Hamburg)
https://perfect-radio.com/johndegraaf.html