22/06/2023
🥸🌳🌲Ich habe nur fünf Minuten Zeit, um zu sagen, was ich zu sagen habe.
Daher versuche ich es so kurz wie möglich zu beschreiben – ich will keine Zeit verlieren.
5 Minuten.
Wenn ich das Glück habe, 65 Jahre alt zu werden,
Habe ich 33.696.000 Minuten Zeit zum atmen.
Unsere kleinen fünf Minuten passen da 6.739.200 mal rein.
Sie könnten nur ein zufälliger Teil deiner Zeitleiste sein,
nur ein weiterer Ziegelstein in der Wand.
Aber es gab einmal einen Wissenschaftler, der sagte:
diese Zeit ist relativ.
Und ich glaube, wir sollten auf dieses Genie hören.
Vergiss alle Zahlen und Mathematik
und lasse diesen Moment etwas länger in die Länge ziehen.
Bevor ich anfange, möchte ich dich bitten, dort wo du dich befindest wenn möglich,
einen kurzen Moment die Augen zu schließen.
Und in deinem Geist möchte ich, dass du dir den weiten grünen Wald vorstellst.
Mit seiner unermesslichen und mannigfaltigen Schönheit.
Und mit deinem Atem folgst du dem Wind zwischen den Bäumen.
Die Luft aufsaugen, in die Lunge ziehen,
dann rausschieben, rollen und langsam ausblenden.
Wir sind wie Bäume im Wald.
Sich selbst sagen, dass wir solide und stark sein sollen,
während die Winde uns in Bewegung halten.
Drücken und biegen uns hin und her, gleichzeitig darauf achtend, dass nichts von uns bricht oder uns umwirft.
Und es gibt nichts, was wir dagegen tun können.
Mein Leben ist auf Erinnerungen aufgebaut.
Einige von ihnen erscheinen mir enorm,
ein paar Sekunden erstrecken sich manchmal über Jahre.
Bewegung, Geruch, Bilder und Töne.
Sie wiederholen sich immer und immer wieder in meinem Kopf.
Wie das erste Mal, als er mich küsste,
die Schmetterlinge in meinem Bauch feierten.
Explodierten in bunten Feuerwerkskörpern.
Oder der Moment, in dem er mich weggestoßen hat.
Schmerz, der durch jeden Zentimeter meines Körpers lief.
Ich selbst implodierte in einer Million scharfer Stücke.
Mein Leben ist auf Erinnerungen aufgebaut.
Aber einige von ihnen existieren einfach nicht mehr.
Manchmal Stunden und Tage und Wochen.
Sie sind mit einer monotonen Routine gefüllt
und ich kann sie nicht in meinem Kopf fixieren.
Wenn Du mich fragst, was ich vor zwei Wochen gemacht habe,
ich müsste es in meinem Kalender nachschlagen.
Dann könnte ich es für dich auflisten,
Tag und Uhrzeit und detaillierte Aktivität.
Wenn du mich fragst, was ich in zwei Wochen machen werde,
ich könnte das Gleiche tun.
Und wenn du mich dann fragst,
wann ich Zeit für dich hätte,
ich müsste mich entschuldigen und sagen:
Nein, ich habe keine Zeit.
Wir haben keine Zeit.
Wir sperrten sie in einen Käfig.
Und gaben unsere Freiheit auf.
Wir haben den falschen Vertrag unterschrieben
und bemerkten nicht, dass es eine Falle war.
Wir sind gefangen in Zahlen,
eins bis zwölf, dann wieder von vorne.
Ein sich drehendes Rad, ein tickendes Geräusch,
Tag und Nacht: Ticken und Ticken und Ticken...
Es erinnert uns daran, dass wir eingesperrt sind.
Wir haben ein Monster erschaffen
und nennen es Zukunft.
Wir schaffen es nicht, sie zu kontrollieren,
obwohl wir uns so sicher zu sein scheinen.
Wir schneiden uns die Flügel ab,
unsere Schultern sind zu schwer zum fliegen,
beladen mit einer Million Dingen,
während unser Leben vergeht.
Wir sind wie Bäume im Wald!
Sich selbst sagen, dass wir solide und stark sein sollen,
während die Winde uns in Bewegung halten.
Drücken und biegen uns hin und her, gleichzeitig darauf achtend, dass nichts von uns bricht oder uns umwirft.
Und es gibt nichts, was wir dagegen tun können.
Aber was wäre, wenn du für eine Sekunde loslassen würdest?
Was wäre, wenn du aufhören würdest, wegzulaufen?
Was wäre, wenn du diesen Moment spüren würdest?
Erkenne die schmerzhafte Schönheit
von den Dingen die entgleiten,
nie wieder zurückkehren.
Ihre bittersüße Vergänglichkeit.
Du würdest deine Arme ausbreiten,
deine Flügel ausstrecken
und die Freiheit umarmen.
Das hat in Dir die ganze Zeit gewartet.
Du bist wie ein Baum im Wald!
Sich selbst sagen, dass du solide und stark sein sollst.
Es drückt und biegt dich hin und her, gleichzeitig darauf achtend, dass nichts von dir bricht oder dich umwirft.
Und dann gibst du dich den Winden hin.
Und lass den Waldwind den Weg bestimmen.
Dein Haar zerzausen, dich lüften und alles wegblasen was nicht zu dir gehört.
Du wirst eins mit dem Wald.
Und er formt eine leuchtende Regenperle aus dir,
glitzernd in der Sonne.
Bis du immer kleiner wirst.
Und du wirst mit dem Wind empor getragen.
Text ein wenig mir von dem Songtext "Ocean of Time"von Ronja Maltzahn verändert