03/07/2026
Wir sind begeistert von der bewegten Geschichte der Villa Harmonie — und möchten sie heute mit euch teilen. ✨
Mitte des 19. Jahrhunderts zog es Adelige, Künstler und Schöngeister nach Usedom. In Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck entstanden prächtige Villen am Meer. Weil sogar der Kaiser hier gern seine Sommerfrische verbrachte, wurden die drei Seebäder bald als die „Kaiserlichen 3“ bekannt — die Kaiserbäder, wie wir sie bis heute nennen.
Auch Rudolf Heyn, Rittmeister a. D. aus Berlin und gebürtig aus Moskau, ließ sich in Ahlbeck eine Villa bauen. Er nutzte sie als Sommerhaus für sich und seine Familie und nannte sie „Norma“ — aus Liebe zur Oper, besonders zu Vincenzo Bellinis gleichnamigem Werk.
In den 1930er-Jahren wurde aus der Villa erstmals eine Pension. Clara Heyn, die Adoptivtochter des Rittmeisters, konnte sich die rein private Nutzung nicht mehr leisten und vermietete einzelne Zimmer an Feriengäste. Für deren Verköstigung ließ sie sogar einen Speisesaal hinter dem Haus errichten — unser heutiges Gartenhäuschen.
Claras Geschichte bleibt bis heute berührend. Was sie mit Frieda Diederich, ihrer Haushaltshilfe, verband, lässt sich nur erahnen. Doch nach Claras Tod ging die Villa an Frieda — obwohl es in der Familie durchaus andere Erben gegeben hätte.
Frieda selbst lebte nie in der Villa. Nach dem Krieg zogen Flüchtlinge aus Ostpommern ein, später teilten sich über Jahrzehnte drei Mietparteien das Haus am Meer. Frieda wohnte allein im Ort, ohne neue Liebe und ohne eigene Kinder. Doch sie bekam eine Patentochter: Kirsten, die Urenkelin ihres Bruders.
Kirsten Gottschalk wuchs nur wenige Meter von der Villa Norma entfernt auf. Schon als Kind träumte sie von eigenen Räumen — Zimmern, die sie nicht jeden Sommer für Feriengäste räumen müsste. Ein Rosenzimmer, ein japanisches Zimmer, ein blaues Zimmer …
Im Frühjahr 1989, mit gerade einmal 21 Jahren, erbte Kirsten überraschend die Villa ihrer Patentante. Zunächst blieb sie in Berlin und wurde Krankenschwester. Doch später kehrte sie auf die Insel zurück — mit einer Vision für das alte Haus.
Nach und nach leerte sich die Villa, und zur Jahrtausendwende begann Kirsten mit dem Umbau. Dank Fördermitteln für denkmalgeschützte Häuser in erster Reihe konnte aus der alten Villa Norma etwas Neues entstehen.
Im Sommer 2003 eröffnete Kirsten schließlich ihre eigenen, liebevoll gestalteten Räume: die Villa Harmonie. 🌿
Ein Haus voller Geschichten, Erinnerungen und besonderer Menschen — und bis heute ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden sind.