10/08/2026
Das außergewöhnliche Niedrigwasser am Bodensee hat nun weitere Auswirkungen auf die Kursschifffahrt. Seit Montag, 10. August, kann die Landestelle Langenargen weder von den Bodensee-Schiffsbetrieben noch von der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt noch durch Österreich angefahren werden.
Für Urlauber und Ausflügler gibt es jedoch Alternativen: Von Langenargen aus sind die benachbarten Anlegestellen in Kressbronn und Friedrichshafen mit Bus und Bahn erreichbar. Mit der Echt Bodensee Card kann der öffentliche Nahverkehr entsprechend der jeweiligen Nutzungsbedingungen genutzt werden.
Warum trifft es gerade Langenargen?
So außergewöhnlich der derzeitige Wasserstand des Bodensees ist, der Ausfall von Langenargen bedeutet nicht, dass die Kursschifffahrt auf dem See generell an ihre Grenzen kommt.
Denn Langenargen gehört zu den Landestellen, die bei Niedrigwasser vergleichsweise früh problematisch werden.
Das war bereits in der Vergangenheit zu beobachten. Im Frühjahr 2025 konnten die Bodensee-Schiffsbetriebe wegen des damals niedrigen Wasserstands Langenargen, Bad Schachen und Mannenbach zeitweise nicht bedienen.
Auch in diesem Sommer zeichnete sich die Entwicklung frühzeitig ab. Bereits am 9. Juli erklärte Alexandro Rupp, Geschäftsführer der Vorarlberg Lines, gegenüber dem ORF, dass die Schifffahrt zu diesem Zeitpunkt noch ohne Einschränkungen möglich sei. Sollte der Pegel jedoch weiter fallen, wäre Langenargen die erste betroffene Anlegestelle. Als kritische Größenordnung nannte er damals einen Pegel von etwa 2,85 Metern.
Genau diese besondere Situation ist wichtig für die Einordnung.
Nicht der ganze Bodensee ist zu flach
Auf dem offenen Obersee stehen den großen Fahrgastschiffen enorme Wassertiefen zur Verfügung. Entscheidend sind vielmehr die örtlichen Verhältnisse unmittelbar vor den Landestellen und in den Zufahrtsbereichen.
Je nach Hafen unterscheiden sich Wassertiefe, Zufahrt und bauliche Situation erheblich. Hinzu kommt der Tiefgang der großen Kursschiffe. Deshalb kann eine Landestelle bereits ausfallen, während wenige Kilometer entfernt weiterhin ganz normal angelegt wird.
Langenargen ist dafür ein bekanntes Beispiel. Schon im Frühjahr 2025 gehörte die Landestelle gemeinsam mit Bad Schachen und Mannenbach zu den ersten, die wegen Niedrigwassers nicht mehr bedient werden konnten.
Auch im Frühjahr 2026 gab es bereits Schwierigkeiten: Im März konnte Langenargen vorübergehend nicht angefahren werden, während die übrige Schifffahrt weitgehend unbeeinträchtigt blieb.
Mannenbach ist ebenfalls besonders empfindlich
Ein ähnliches Bild zeigt sich am Untersee. Dort gehört Mannenbach zu den Landestellen, bei denen niedrige Wasserstände vergleichsweise früh Auswirkungen haben.
Anfang Juli 2026 konnten die Bodensee-Schiffsbetriebe Mannenbach wegen des niedrigen Wasserstands bereits nicht mehr anfahren, während es auf dem Obersee ansonsten noch keine vergleichbaren Einschränkungen gab.
Gerade das zeigt, warum Meldungen über einzelne ausfallende Häfen richtig eingeordnet werden müssen: Der Wasserstand ist für den gesamten Bodensee derselbe hydrologische Vorgang, seine Auswirkungen auf die Schifffahrt sind aber von Landestelle zu Landestelle sehr unterschiedlich.
Große Häfen wie Friedrichshafen, Konstanz, Lindau oder Bregenz verfügen über wesentlich günstigere Voraussetzungen. Vorarlberg-Lines-Geschäftsführer Rupp bezeichnete diese Häfen im Juli sogar als grundsätzlich ganzjährig befahrbar.
Trotzdem ein weiteres sichtbares Zeichen des Niedrigwassers
Verharmlosen sollte man die Situation deshalb nicht. Dass nun nach Mannenbach auch Langenargen nicht mehr regulär bedient werden kann, ist ein weiteres sichtbares Zeichen des außergewöhnlich niedrigen Wasserstands in diesem Sommer.
Gleichzeitig sollte daraus aber auch kein falsches Bild entstehen: Der Bodensee ist nicht plötzlich für die großen Fahrgastschiffe „zu flach“. Vielmehr erreichen einzelne, besonders empfindliche Landestellen nach und nach ihre Grenzen.
Für Gäste in Langenargen heißt es deshalb vorerst: ein kleines Stück mit Bus oder Bahn fahren und die Bodenseefahrt beispielsweise in Kressbronn oder Friedrichshafen beginnen.
Und natürlich bleibt zu hoffen, dass irgendwann wieder ausreichend Wasser in den See kommt und die Kursschiffe auch in Langenargen wieder ganz selbstverständlich anlegen können.
Foto: Lucia Schiebel