Am Anfang war endloser Wald; darin versteckt das kleine Gutsdorf Klenow. Der Dreißigjährige Krieg (1618-48), dem 80% der Mecklenburger zum Opfer gefallen waren, hatte auch hier keine zehn Häuser und kaum 100 Menschen zurückgelassen. Doch gleich 1649, mit dem Willen zum Wiederaufbau, hatte der damalige Gutspächter Basedow einen kleinen Obstgarten neu angelegt.
Die Gegend um Klenow ist morastig. Hier stand und steht kein landestypischer Kiefernwald, sondern dichter, wild-reicher Laubwald - das ideale Jagdgebiet der Mecklenburger Herzöge. Es war Herzog Christian Ludwig, der gern zum Jagen hierher kam.
Er ließ sich im Gutshofgarten Schritt für Schritt ein kleines Jagdschlösschen bauen, welches zuletzt durch den Baumeister Johann Friedrich Künnecke in den Jahren 1731 bis 1735 zu einem mäßig repräsentativen Fachwerkbau wuchs. Hinter dem Schlösschen gab es auch einen kleinen, geschützten Barockgarten (etwa in der Größe des heutigen Rasenparterres), in dem sich die Hofdamen vergnügen konnten, wenn die Herren auf Jagd waren.
Am 21. August 1754 wird von einer Jagdparty berichtet, auf der der gut gelaunte Herzog stolz verkündete: Ab heute soll der Ort Ludwigs-Lust heißen (erst später dann Ludwigslust). Christian Ludwig starb 1756.
Sein Sohn und Nachfolger Friedrich (genannt „der Fromme“) hatte als junger Bildungsreisender Versailles kennen gelernt: den Inbegriff aller barocken Schloss- und Gar-tenbaukunst. Seitdem hatte er die Vision und sein Lebensziel, in Ludwigslust ein „norddeutsches Versailles“ entstehen zu lassen.
Gleich 1756 nach Regierungsantritt, während der Sieben-jährige Krieg tobte und Friedrich ins Exil getrieben wurde, begann er aus der Ferne mit dem Bau des Ludwigsluster Kanals (28 km Länge). Den brauchte er für sauberes Wasser in der morastigen Gegend, aber auch als Transportweg für künftiges Baumaterial und als Wasserlieferanten für die erweiterten barocken Gartenanlagen.
Nach Kriegsende (1763) verlegte Friedrich die Residenz (genauer: nur seine Staatskanzlei und nicht die Ministerien) offiziell von Schwerin in das väterliche Jagdschlösschen. Jetzt kamen nicht nur Jagdfreunde, sondern Staatsgäste nach Ludwigslust. Um sie unterzubringen, wurde am Rand des Residenz(bau)geländes, an der heutigen Gartenstraße, ein Herzogliches Gästehaus errichtet - der Vorgänger des Hotels de Weimar.
Herzog Friedrich war indessen mit der Realisierung sei-ner Vision beschäftigt. 1765-1770 ließ er die monumentale Hofkirche (heute Stadtkirche) errichten, welche sowohl als Gotteshaus als auch Konzertsaal genutzt wurde. Um den Kirchplatz und um den zum Bassin erweiterten Kanal herum entstanden zahlreiche Häuser für die höheren Hofbeamten und für die Musiker der damals in ganz Europa gerühmten Hofkapelle. Der Schlosspark wurde über das ehemalige Gartenparterre hinaus um ein Vielfaches erweitert. Dann ging der Herzog daran, das alte Fachwerkschlösschen durch den heutigen barocken Sandsteinbau zu ersetzen (1772-1776).
Baumeister Johann Joachim Busch baute 1773 gleichzeitig mit dem Schloss ein nicht weniger repräsentatives neues Gästehaus am alten Platz. Die weit schwingende barocke Fassade hatte nicht ihresgleichen. Wie in Ludwigslust üblich, war der Baukomplex um einen Innenhof herum gebaut, heute das spektakulär mit Glas überdachte zentrale Restaurant „Ambiente“.
Glanz und Gloria
Friedrich war ein strenger Pietist; sein Leben war Arbeiten (Bauen) und Beten (Kirchenmusik) zur Ehre Gottes; das weltliche Treiben war ihm fremd. Als er 1785 kinder-los starb, folgte ihm seine Neffe Friedrich Franz I. Und der war ganz das Gegenteil. Er liebte die große Gesellschaft und die Frauen; er holte Theater- und Operntruppen nach Ludwigslust. Statt steifer Staatsempfänge gab es jetzt rauschende Ballnächte. Das Herzogliche Gästehaus erlebte seine große Zeit. Als Ende 1806 die Franzosen Mecklenburg besetzten, wurde es Mittelpunkt französischer Lebensart. Napoléons Kommandeure und Kontrolleure wie auch gutbetuchte Bürger und Geschäftemacher wett-eiferten jetzt mit dem Landadel.
Der älteste Sohn des Herzogs, der Erbprinz Friedrich Ludwig, hatte 1799 die Zarentochter Helena Pawlowna geheiratet, musste 1803 aber schon ihren Tod betrauern. 1810 heiratete er in zweiter Ehe Prinzessin Caroline von Sach-sen-Weimar. Nach ihr benannte er das nochmals aufpolierte Gästehaus “Hotel de Weimar“.
Während der Erbprinz erst mit, dann gegen Napoléon in Europa unterwegs war, tröstete sich Caroline hier mit Gästen aus der alten Weimarer Heimat. Die Ehe war nicht sonderlich glücklich und Caroline starb schon 1816 als „Königliche Hoheit“ an Magersucht. Denn im Jahr zuvor, auf dem Wiener Kongress, hatte man die Mecklenburger Herrscher zu Großherzögen und zu „Königlichen Hoheiten“ befördert. Aber da ging die große Zeit Ludwigslusts schon zu Ende. Als Friedrich Franz I. 1837 starb, verlegte der Großherzog Friedrich Paul (Sohn der Zarentocher Helena) den Regierungssitz von Ludwigslust wieder zurück nach Schwerin.
Als Ersatz für den Regierungssitz wurde ein Dragonerregiment nach Ludwigslust verlegt. Jetzt gaben vor allem die Offiziere im „de Weimar“ den Ton an. Wenn es hoch her ging, wurden die Champagnerflaschen schon mal mit einem kräftigen Säbelhieb geköpft. Und einmal im Jahr ging es ganz besonders hoch her: Dann waren alle Aktionäre der neuen Eisenbahnlinie Hamburg - Berlin ins „de Weimar“ geladen; freie Fahrt nach Ludwigslust inklusive.
Zwischenzeiten
Nach der Reichsgründung, in den Boomzeiten der Gründerjahre und im Wilhelminischen Kaiserreich galt das „de Weimar“ nach wie vor als „Nobelhotel“. Nach dem I. Weltkrieg war es mit der Herrlichkeit der kaiserlichen Offiziere erst einmal vorbei, aber bis zum II. Weltkrieg trafen sich hier die neuen Herren. Nach 1945 war das Haus eine Gaststätte; dann zogen abwechselnd Polizei, Verwaltungsbehörden, die GST, eine Grundschule und ein Hort ein.
Das neue „de Weimar“
Im Jahr 1993 gab es einen Neubeginn. Wilfried Glania-Brachmann und Petra Fuchs übernahmen das heruntergewirtschaftete, so traditionsreiche Haus. Der historische Teil des Gebäudes wurde liebevoll restauriert und erweitert. Das Hotel verfügt heute über 46 individuell gestaltete Zimmer, darunter auch zwei historische Suiten. Der ehemalige Innenhof wurde mit einer aufwendigen Glaskonstruktion überdacht und ist als Restaurant „Ambiente“ nun das Herzstück des Hauses. Hier kreiert Wilfried Glania-Brachmann Köstlichkeiten der heimischen Küche, während Petra Fuchs sich um den Weinkeller, um eine exquisite Ausstattung und um das Wohlbefinden der Gäste kümmert.