02/07/2026
25 Jahre.
Heute vor 25 Jahren übernahm ich mein kleines Hotel. Ich erinnere mich an die Mischung aus Übermut und Unsicherheit, aber genau das war das Schönste: frei entscheiden, Neues wagen. Wir waren einer der ersten Bio-Betriebe der Region, damals belächelt, heute selbstverständlich.
25 Jahre heißen: Bankgespräche, Behördengänge, Geduld mit Ministerien. Investitionen in beträchtlicher Höhe in Umbau um Umbau. Und sie heißen: als Frau bestehen. Mit zwei Berufsausbildungen kam ich gut vorbereitet, trotzdem musste ich Kompetenz oft doppelt beweisen. Kleiner gemacht hat mich das nicht. Aber klarer.
Ich durfte Gastgeberin sein für über 125.000 Gäste. Jeder ein Mensch, dem ich einen guten Ort geben durfte. Möglich war das nie allein: Dank an die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mich begleitet haben und noch begleiten.
Leicht war es nicht immer. Corona brachte uns an Grenzen. Kriege und Krisen waren und sind immer Herausforderungen für den Tourismus. Politik bleibt nie abstrakt – sie kommt an, in der Buchungslage, im Alltag.
Ein Hotel heißt: Familie lebt mit. Meine Tochter wuchs mit dem Gästerhythmus auf. Und es gab einen Tag, an dem alles stillstand und trotzdem weiterging: den Tag, an dem ich meinen Mann verlor, mitten im laufenden Betrieb.
Die Zimmer waren belegt, ich musste weitermachen, während in mir alles stand. Das trägt man still – und es zeigt, wie viel Kraft in einem steckt.
In all den Jahren wollte ich immer am statt im Betrieb arbeiten. Dieser Blick von oben hat mich auch politisch geprägt. Ich weiß, was Bürokratie für einen Familienbetrieb bedeutet, was ein Kredit wiegt, wie es ist, als Frau um Vertrauen zu kämpfen. Diese Erfahrung bringe ich ein – für Unternehmerinnen, die ihre Kraft entfalten dürfen sollen.
Am Ende bleibt: Dankbarkeit. Und Zuversicht, dass Anpacken sich lohnt.