23/04/2026
Deutschland hat PV und Windkraft groß gemacht - aber anderen die Milliardenmärkte überlassen. Der Naturwissenschaftler Harald Lesch und der Ökonom Marcel Fratzscher erklären im ZDF-Livestream, warum das kein Pech war, sondern politisches Versagen.
„Klimapolitik ist gute Wirtschaftspolitik", sagt DIW-Präsident Fratzscher bei „Terra X Lesch & Co".
Was die beiden danach sezieren, ist ein deutsches Muster. Prof. Fratzscher: „Die Zukunft der deutschen Industrie hängt ganz entscheidend davon ab, ob es der deutschen Industrie gelingt, wieder führend zu werden bei grünen Technologien."
Der Weltmarkt ist gigantisch. China hat seine Städte entrußt, weil Kohle und Verbrenner die Luft verpestet haben. Alle wollen raus aus Abhängigkeit und Feinstaub. „Wenn es uns gelingt, führend zu werden, dann ist das die Zukunft der deutschen Industrie."
Naturwissenschaftler Prof. Harald Lesch erinnert daran, dass wir genau das schon einmal konnten - und weggegeben haben. Klaus Töpfer habe mal gesagt, „Deutschland verdient einen Friedensnobelpreis dafür, dass sie aus der Photovoltaik eine Technologie gemacht haben".
Leschs bittere Pointe: „Aber dann haben wir sie weitergereicht. Genauso mit der Windkraft."
Die goldene Ehrennadel für die Pionierleistung bekommt Deutschland. Die Milliardenmärkte gehen an die, die skaliert haben.
Fratzschers Diagnose der Mentalität dahinter sitzt: „Dieses Kopf-in-den-Sand-Stecken, wir würden am liebsten zurück ins Jahr 2018 gehen, da war die Welt noch in Ordnung, wir wollen nicht in die Zukunft. Das ist die größte Gefahr."
Lesch benennt, was industriepolitisch ansteht. Er spricht vom „deutschen Manhattan-Projekt" - einer Premium-Batterie, made in Germany, für den Weltmarkt. Skalierbar, exportfähig, anschlussfähig an jedes erneuerbare System. Das wäre die Antwort. Stattdessen diskutiert das Kabinett über Gaskraftwerke und Kernkraft-Renaissance.
Fratzschers Fazit könnte jeden Koalitionsvertrag eröffnen: „Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und gute Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern hängt entscheidend davon ab, ob wir führen bei grünen Technologien."
Leschs Schlusswort ist eine Ohrfeige an die Depressions-Republik: „Pessimismus ist ein Luxus, den wir uns nicht leisten können. Resignation: Zeitverschwendung. Also ran an den Speck."
Sein letzter Appell überrumpelt sogar die Moderatorin: „Werdet bitte Mitglied bei einer Energiegenossenschaft. Das ist einer der größten Hebel, die wir haben, um die Energiewende dahin zu bringen, wo sie hingehört: in Bürgerhände."
Fratzscher dazu: „Das muss gesagt werden. Das wissen viel zu wenig Leute."
Link zum Gespräch im ersten Kommentar.