23/01/2020
Liebe Gäste, liebe Freunde des „Haus zum Sternen“,
wir haben zum Jahreswechsel unser schönes, kleines Hotel aufgegeben. Für meinen Mann und mich kein leichter Schritt, aber alles hat seine Zeit (auch Pressemitteilungen).
Meine Eltern erwarben den Sternen Anfang der 80er und erfüllten sich, mit viel Leidenschaft und großen Investitionen, einen Traum. Das Haus, erstmals erwähnt 1286, hatte bis dahin schon eine lange, wechselhafte Geschichte, an der wir (ich seit 1994 und mein Mann ab 1998) fleißig weiter schrieben.
Da waren die vielen Künstler vom Jazzfest, Ferienzauber und Sommersprossen, die wir beherbergen durften. Von Helge Schneider bis Blues Brothers, von Sissi Perlinger bis Inge Meysel und unzählige mehr. Da waren die Hochzeiten, Taufen und Geburtstagsfeiern in unserem Restaurant, die immer etwas Besonderes waren. Unvergessen die Partys im Sternenkeller und natürlich das alltägliche Geschäft als Gastgeber für unsere Hotelgäste, meist Geschäftsreisende, unsere Radler und die vielen Gäste im Restaurant. Gäste, die zu Stammgästen wurden, zu Freunden und sogar zu Paten unserer Kinder. Ein wundervoller Moment war die Haustaufe unseres Sohnes im “Gotischen Stüble”.
Die Fasnet war jedes Jahr ein Highlight, mit dem unglaublich schönen Schmotzigen, an dieser Stelle vielen Dank und ein aufrichtiges “es tut uns leid" an den Organisator. Der Trubel und die großen Worte, wenn die Landsknechte im Haus waren. Der Fasnetsmontag mit Schnitzel zum Frühstück und Schorle rot/süß (oh jerum), der morgendliche Ramazzotti mit dem „Lange Ma“. Wir werden unseren Fuchs vermissen, das “Sternenrössle” mit allen, die dazu gehören und auch das Gläsle Linie für unsere speziellen Gäste. Ein Wirsing ist ein Wirsing ist ein Wirsing.
Nach 25 Jahren blicken wir zurück auf so viele schöne Bücher füllende Momente.
Aber es gab auch die schweren Zeiten.
Der „Sternen“ ist ein kleines Haus, das sehr direkt die Auswirkungen der wirtschaftlichen Lage erfahren hat. Geht es der deutschen Wirtschaft gut, sind viele Geschäftsleute, Außendienstler und Monteure unterwegs, die eine Bleibe suchen. Geht die Konjunktur zurück, wird das Haus nicht voll. Auch die Jahre der Innenstadtsanierung sind nicht spurlos an uns vorbei gegangen.
Der „Sternen“ ist ebenfalls ein altes Haus, in dem immer etwas zu richten ist. Die kleinen und großen Baustellen sind schlussendlich die Hauptgründe, warum wir unseren „Sternen“ verlassen. Wir kamen, wie sagt man im Volksmund, nicht auf den grünen Zweig. Umso besser die Zeiten waren, desto größer wurden die Löcher, die man stopfen musste. Wir haben es immer hinbekommen, aber uns in den letzten Jahren immer häufiger gefragt, ob das Alles Sinn macht. Die Entwicklungen um uns herum machten eine Zukunft im „Sternen“ immer ungewisser. Dafür arbeiteten wir 60-70 Stunden und mehr, waren kaum im Urlaub und es blieb trotzdem nichts für die Rente übrig. Mit der Zeit wurde dieses Thema immer drängender, wir mussten handeln.
Wir sind traurig und werden unseren „Sternen“ sehr vermissen.
Wir sind aufgeregt und gespannt, auf das, was nun kommen mag.
Wir freuen uns auf unseren Neuanfang.
Alles hat seine Zeit.
Euer „Sternen“ Team
Julia Ehrenberger und Norman Denkert
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