17/03/2026
Eine Spremberger Institution – das Hotel „Zur Post“
Mitten im Herzen der Altstadt von Spremberg befindet sich eines der traditionsreichsten Häuser der Stadt: das Hotel Zur Post. Seit mehr als anderthalb Jahrhunderten steht dieses Haus für Gastfreundschaft, Geselligkeit und die lebendige Geschichte der Lausitz.
Ein Gasthof für Reisende – seit 1850
Die Ursprünge des Hauses reichen bis in das Jahr 1850 zurück. Damals entstand an dieser Stelle ein Gasthaus mit Schmiede und Stallungen – eine Kombination, die in jener Zeit äußerst sinnvoll war. Reisende waren mit Pferd, Kutsche oder zu Fuß unterwegs und konnten hier nicht nur einkehren, sondern auch ihre Pferde versorgen oder verlorene Hufeisen ersetzen lassen.
Schon bald entwickelte sich das Gasthaus zu einem beliebten Treffpunkt für Händler, Handwerker und Durchreisende.
Treffpunkt der Postillione:
Seinen Namen erhielt das Haus durch die Poststation gegenüber. Die Postkutschenfahrer – die sogenannten Postillione – kehrten nach ihren Fahrten hier ein, stärkten sich und tauschten Neuigkeiten aus. So wurde das Gasthaus „Zur Post“ zu einem lebendigen Mittelpunkt des städtischen Lebens.
Auch wenn das große Kaiserliche Postamt erst Jahrzehnte später gebaut wurde, blieb der Name bestehen und wurde zu einer festen Größe in der Stadtgeschichte.
Wandel durch die Zeiten
Im Laufe der Jahrzehnte wechselte das Haus mehrfach den Besitzer und wurde immer wieder umgebaut.
• Um 1870 ließ eine Besitzerin namens Schönfelder das Gebäude als Wohnhaus mit Gaststätte modernisieren.
• Um 1900 wurde das Haus von Richard Röhle übernommen, der hier ein Restaurant betrieb.
• Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm zunächst ein Pächter die Gaststätte.
1950 gelangte das Haus schließlich in den Besitz der Familie Hasse, deren Name bis heute eng mit der „Zur Post“ verbunden ist.
Die Zeit der DDR:
In der DDR wurde die Gaststätte in die staatliche HO-Organisation eingegliedert. In dieser Zeit wandelte sich das Konzept mehrfach:
Mal war die „Zur Post“ eine klassische Gaststätte, mal eine Milchbar, zeitweise sogar Treffpunkt eines sogenannten Intelligenzclubs oder Verkaufsstelle für Sportartikel.
Trotz dieser Veränderungen blieb das Gebäude ein fester Bestandteil der Spremberger Innenstadt.
Neuanfang nach der Wiedervereinigung:
Mit der deutschen Wiedervereinigung begann ein neues Kapitel. Die Familie Hasse konnte das Traditionshaus wieder selbst führen und eröffnete es 1990 mit einer großen Feier neu. Zu den Gästen der Wiedereröffnung gehörten sogar der bekannte Schriftsteller Erwin Strittmatter und sein Bruder.
In den folgenden Jahren wurde das Gebäude umfassend modernisiert und zu dem heutigen Hotel- und Gastronomiebetrieb ausgebaut.
Heute empfängt das familiengeführte Hotel Zur Post seine Gäste mit herzlicher Lausitzer Gastfreundschaft. Das Hotel verfügt über komfortable Zimmer und liegt direkt im historischen Zentrum, nur wenige Schritte von der Spree entfernt.
Das angeschlossene Gasthaus ist bekannt für seine gutbürgerliche Küche und regionale Spezialitäten. Im Sommer lädt ein gemütlicher Biergarten am Fluss zum Verweilen ein, während im Inneren die traditionelle Gaststube an die lange Geschichte des Hauses erinnert.
Ein Haus mit Geschichte:
Über mehr als 170 Jahre hinweg hat die „Zur Post“ viele Zeiten erlebt:
Gasthof für Postkutschenreisende, Treffpunkt der Bürger, HO-Gaststätte in der DDR und heute ein modernes Hotel mit langer Tradition.
Damit ist das Haus nicht nur ein Ort zum Übernachten oder Genießen – sondern auch ein lebendiges Stück Stadtgeschichte von Spremberg.
Foto: Laila Wentworth