28/04/2022
Im Sommer 2022 werden wir den neu gestalteten Märchenwanderweg einweihen und eröffnen.
Die Tafeln wurden von der Bischofsgrünerin Stefanie Schreiner gemalt.
Wir sind einfach begeistert wie wunderschön sie geworden sind... 💚💪
Es gibt übrigens auch ein neues "Bischofsgrüner Märchen" "Horst und sein Schneemann" wurde von der Bischofsgrünerin Heike Greiner geschrieben und ist einfach ein tolles Märchen und eine Würdigung des unvergleichlichen Horst Heidenreich.
Hier ist die Weltpremiere des Märchens.💪
Das Bild, das zu diesem Märchen von Stephanie gemalt wurde, ist so sensationell schön, dass dieses Posting für uns ein ganz spezielles Posting ist... WOW!
Schaut es Euch einfach an.... ❤️☃️
Horst und sein Schneemann
© von Heike Greiner
☃️
Horst saß in seinem Wohnzimmer, blickte aus dem Fenster und beobachtete das dichte
Schneetreiben. Aus dunklen, grauen Wolken fielen dicke Flocken zur Erde, die der eisige
Wind kräftig durcheinanderwirbelte. Es war vollbracht. Wie jedes Jahr hatte er gemeinsam
mit vielen Helfern den großen Schneemann Jakob auf dem Marktplatz erbaut. Fast zehn
Meter hoch war er heuer. Horst galt als „Erfinder“ dieses Schneemanns und war stolz darauf,
dass er seit Jahrzehnten jeden Winter so viele Menschen mit Jakob begeisterte. Während
des Schneemannfestes, das in drei Tagen stattfinden sollte, versammelten sich die
Dorfbewohner rund um Jakob, um miteinander zu feiern. Musik, Tanz und leckere Snacks
lockten Besucher von nah und fern an.
Plötzlich schrillte die Glocke durchs Haus. Horst lief in den Flur und öffnete die Haustür. Sein
Nachbar Manfred stand völlig aufgeregt vor ihm. „Horst, stell dir vor, der Jakob ist weg!“
„Wie weg?“, fragte Horst ungläubig.
„Irgendjemand hat ihn …“, überlegte Manfred, „… einfach verschwinden lassen.“
„Das gibt’s doch nicht!“ Horsts Stimme zitterte. „Wer kann denn einen solch riesigen
Schneemann einfach verschwinden lassen?“
Manfred schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung.“
„Das muss ich mir ansehen.“
Schnell schnappte sich Horst Anorak und Mütze von der Garderobe und folgte seinem
Nachbarn, der vorauseilte. Auf dem Marktplatz hatten sich bereits etliche Menschen
versammelt, die erstaunt den leeren Platz vor der Kirche betrachteten, wo Jakob zuvor
gestanden hatte. Auch Horst konnte nicht glauben, dass sein Jakob weg war. Für den Bau
des riesigen Schneemannes brauchte man schweres Gerät. Kein Mensch konnte einfach mit
bloßer Körperkraft den großen Schneemann entfernen. Und wäre jemand mit Geräten im
Einsatz gewesen, hätten es die Anwohner rund um den Marktplatz bemerkt. Doch
niemandem war etwas aufgefallen – von einer Minute zur anderen war Jakob einfach
verschwunden. Eine Katastrophe. Das traditionelle Schneemannfest konnte nicht stattfinden!
Tieftraurig ging Horst nach Hause. Es hatte aufgehört zu schneien und es dämmerte bereits,
als er durch seinen Garten ging. Plötzlich bemerkte er eine Bewegung rechts neben dem
Haus. Langsam machte er ein paar Schritte auf den Eingang zu, bis sich durch den
Bewegungsmelder das Licht über der Haustür einschaltete. Horst erschrak und sein Herz
schlug ihm bis zum Hals. An der Hausecke stand eine alte Frau mit faltigem Gesicht und
starrte ihn mit großen, schwarzen Augen an. Ihr grimmiger Gesichtsausdruck und ihre
krächzende Stimme ließen Horst erschauern. „Na, suchst du deinen Jakob?“, fragte sie, und
ein heiseres Lachen folgte.
„Wer … wer bist du?“, stotterte Horst. Er schloss kurz die Augen, weil er nicht glauben
konnte, was er sah. Doch als er sie wieder öffnete, war die unheimliche Gestalt immer noch
da.
„Als Schneehexe sorge ich dafür, dass Schnee seine natürliche Form behält. Schneehexen-
Gesetz! Es ist hexengesetzmäßig verboten, den Schnee für den Bau eines
Riesenschneemanns zu missbrauchen und wilde Feste rund um den Schneemann zu feiern.
Das ist gegen die Natur des Schnees!“ Sie knurrte grimmig. „Nie wieder werdet ihr Freude an
Schneemännern haben. Euren Jakob habe ich weggehext!“
„Aber wie …“, begann Horst. Doch mit einem lauten Zischen löste sich die Alte plötzlich in
Luft auf – und war verschwunden.
Nachdem er sich aus seiner Starre gelöst hatte, ging Horst zur Haustür. Er zitterte am
ganzen Körper. Als er aufschließen wollte, hörte er ein leises „Pst, pst“ hinter sich. Er drehte
sich langsam um. Drei zwergengroße Wesen mit langen, grauen Bärten standen hinter ihm.
Sie trugen rote Mäntel, braune Stiefel und lila Hüte.
„Keine Angst, Horst“, sprach einer von ihnen. „Wir sind die Fichtelwichtel. Wir kommen in
guter Absicht.“
„Ach, euch gibt’s wirklich?“, fragte Horst erstaunt. „Ich dachte, die Fichtelwichtel wären nur
Sagengestalten.“
„Normalerweise zeigen wir uns den Menschen nicht. Aber die Schneehexe ist böse, sie hat
auch uns schon oft Probleme gemacht. Daher möchten wir euch helfen!“
„Das ist nett von euch!“ Horst lächelte den drei Wichteln zu. „Aber wie? Was wollt ihr tun?“
„Wir trommeln alle Fichtelwichtel des Fichtelgebirges zusammen und bauen heute Nacht den
Jakob wieder auf! Bitte sorge dafür, dass der Marktplatz für Menschen gesperrt wird und uns
niemand stört.“
„Danke, danke für eure Hilfe – im Namen aller Schneemannbauer und aller Bürgerinnen und
Bürger. Ihr seid toll!“, rief Horst, hielt aber plötzlich inne. „Doch was ist, wenn die Hexe den
Jakob einfach wieder weghext?“
Der Wichtel mit dem längsten Bart, der ihm fast bis zu den Knie reichte, kicherte. „Dafür
gibt’s eine Lösung. In unserer Höhle haben wir eine geheime Pflanze, die wir in den
Schneemann einbauen werden. Diese Pflanze hat magische Kräfte und verhindert die böse
Hexerei!“
Und so kam es, dass in der folgenden Nacht dutzende Fichtelwichtel auf dem Marktplatz
herumwuselten, Schnee heranschafften und den Jakob neu erbauten. Der neue Jakob war
wunderschön und sogar noch größer als der alte.
Es blieb das Geheimnis der Fichtelwichtel, woher sie sogar den Originalhut und den langen
Schal genommen haben.
Als dann das Schneemannfest stattfand, wurde nicht nur der Jakob gefeiert, sondern auch
die Fichtelwichtel, auch wenn sie längst wieder in ihrer Höhle irgendwo im Fichtelgebirge
verschwunden waren. Von der bösen Schneehexe jedoch hat man nie wieder etwas gehört.
❤️☃️
Erlebnisregion Ochsenkopf Bischofsgrün im Fichtelgebirge Fichtelgebirge