08/06/2026
Dienstag, 09. Juni 2026, Sollinger Allgemeine / Uslarer Land
Meilerrauch im Rehbachtal
Solling-Heimatverein Delliehausen hält Köhlertradition seit 50 Jahren aufrecht
GALERIE 4
Weißer Rauch steigt auf: Hobbyköhler Christian Brüll auf dem qualmenden, mit Rasenplaggen abgedeckten Holzhaufen. Die Köhlergruppe hatte das gespaltene Buchenholz mit etwa zehn Raummetern zum Rundmeiler aufgeschichtet.
Delliehausen – Im Rehbachtal bei Delliehausen haben die Köhler des Solling-Heimatvereins am Sonntag vor etlichen Besuchern den 48. Holzkohlenmeiler in 50 Jahren angezündet. Während der Coronavirus-Pandemie hat man zwei Jahre ausgesetzt, sagte Wolfgang Boeder als Vorsitzender des Vereins, der die Tradition seit dem Ende der gewerblichen Köhlerei 1959 im Dorf seit 1976 aufrechterhält.
Grubenköhlerei in Erdlöchern habe es bereits im 12. Jahrhundert gegeben, sagte Boeder. Erst ab dem 15. Jahrhundert werde von der Meilerköhlerei berichtet, die auch das Leben vieler Familien in Delliehausen über viele Jahrzehnte geprägt habe. Mit der Gründung von Eisen- und Glashütten sei der Bedarf nach Holzkohle größer geworden, die Blütezeit sei im 17. und 18. Jahrhundert gewesen.
Transportiert worden sei die Holzkohle aus Delliehausen über Hohlwege in Richtung Moringen. Im Amt Uslar habe es damals 56 Köhlermeister mit über 200 Gehilfen gegeben. Und Delliehausen habe 1880 einen Höhepunkt mit der Köhlerei und der Braunkohleförderung erlebt, bevor der Bodenfelder Betrieb Hiag (heute Pro Fagus) durch seine industrielle Holzkohleproduktion den Köhlern das Leben schwer machte.
1968 sei im Rehbachtal eine Köhlerhütte nach dem Vorbild der einstigen Köhler errichtet worden, und ab 1969 hätten die letzten sechs Köhler zum Wachhalten der Tradition Meiler aufgeschichtet, bevor das sieben Jahre später die Mitglieder des Heimatvereins übernahmen. Boeder beschrieb auch einen Tagesablauf der Köhler, der arbeits- und entbehrungsreich gewesen sei. Außerdem erklärte er den Aufbau des Meilers mit dem Quandelschacht in der Mitte, wo der Schwelbrand zur Verkohlung des Holzes auch am Sonntag wieder angefacht wurde.
Problematisch sei die Beschaffung von Rasenplaggen gewesen, mit denen der Meiler „abgedichtet“ wurde, um das Verbrennen des Holzes zu vermeiden. Es gebe immer weniger geeignete Stellen, weil feuchte Rasenflächen mit viel Wurzelwerk unter Fichtenbäumen rar würden, sagte Boeder.
Mit ihrem Fachwissen steuern die Hobbyköhler in den kommenden zehn Tagen rund um die Uhr die Verkohlung bei Temperaturen von 270 bis 350 Grad von oben nach unten in dem Meilerrund.
Zum Köhlerteam gehören: Christian und Felix Brüll, Luca Kempf, Lea Gaflig, Udo Pfützenreuter, Klaus Waldmann, Gerd Krause, Wolfgang Boeder, Rolf Borchert, Ralf Hilke, Marvin Scholz, Mika Hengst und Oliver Kahnert.
■ Gottesdienst
Im Freiluft-Gottesdienst neben der Köhlerhütte sprach Pastorin Sonja Brosig über „Holz“. Begleitet wurde sie von Sängern aus Bodenfelde und Delliehausen unter der Leitung von Petra Kohrs und dem Posaunenchor Volpriehausen.
Die Gastgeber sorgten für Mett in Folie aus dem Lagerfeuer, Stockbrotbacken, Getränke, Gegrilltes und den von Wilhelm Meyer-Betram zubereiteten Köhlerschmaus (Erbsensuppe). Informationen gab es am Lernort-Natur-Mobil der Jägerschaft. Uslars Bürgermeister Torsten Bauer lobte das ehrenamtliche Engagement zur Pflege der Köhlertradition. Ralf Müller (Holzminden) als Vorsitzender des Solling-Hauptvereins gab die Spende von drei Bänken für den Meilerplatz bekannt.
Am Samstag und Sonntag, 20. und 21. Juni, soll die gewonnene Holzkohle (10 Kilo für 20 Euro) zwischen 9 und 18 Uhr an Interessierte abgegeben werden. Laut Boeder gibt es schon Vorbestellungen.
JÜRGEN DUMNITZ