10/04/2023
Man kann es nicht erzwingen: Erholung im Urlaub & Erlösung aus der Krise.
Vor etwas über einem Jahr hab ich einen Songwritingwettbewerb zum Anlass genommen, ein Lied („Stay“) zur Emmaus-Geschichte aus dem Lukas-Evangelium zu schreiben.
Eine wichtige Geschichte, die heute zum Ostermontag gehört:
zwei Freunde, die verzweifelt und in einer schweren Sinnkrise sind, nachdem ihr Mentor & Freund öffentlich zum Tode verurteilt und brutal hingerichtet wurde, und wie ein scheinbar unbekannter Fremder ihnen unerwartet und unaufdringlich neuen Lebensmut und Kraft gibt. (Lukas 24, 13-35)
Mich berührte diese Geschichte sehr als sie mir vor 10 Jahren, im Sommer 2013, in Taizé zum ersten Mal nahe gebracht wurde – grad, als ich selbst aus einer persönlichen Krise ‚neues Land‘ gesichtet hatte. Die Geschichte traf auf mich im richtigen Moment.
Krisen sind doch fast immer existenziell bedrohlich – zumindest für einen Teil in uns.
Und ob wir an Gott und Jesus glauben oder uns überhaupt nicht für religiös halten, kennen wir vmtl. alle eine solche Situation: innerlich zerbrochen, hilflos und in erdrückender Traurigkeit wirst du in scheinbar letzter Sekunde und dann ganz sanft durch ein Gefühl von neuer und echter Hoffnung erlöst.
Und nun nach über einem Jahr ist der Song dazu immer noch nicht fertig.
Ich dachte, er wäre es.
Aber wenn eine Melodie nicht stimmig ist, ein Wort nicht sitzt oder ein Akkord das Herz nicht berührt, dann ist das Lied nicht da, wo es sein sollte.
Und ich kann es nicht erzwingen.
Klar: da draußen wartet niemand auf mein Lied. Keiner ist böse, wenn das Stück nicht veröffentlicht wird.
Gleichzeitig glaube ich, dass das Talent, kreative Ideen in die Tat umsetzen und Musik ‚machen‘ zu können, eine Gabe ist, die der Welt zurück gegeben werden soll. Und es fühlt sich grad so an, als erweise ich dem Universum einen schlechten Dienst, indem ich nicht die Disziplin aufbringe, mich dem Song so zu widmen, wie er es verdient. Das ist schon eine Krise. Auch im erholsamen Urlaub.
Und vielleicht ist die Lösung – wie in der Geschichte – doch schon die ganze Zeit hier bei mir und wird sich mir zeigen, wenn ich soweit bin.
Das ist die Hoffnung.
Frohe Ostern!