01/12/2020
MAZ (01.12.2020): Jüterboger Unternehmer unterstützt Klinikclowns
Von Isabelle Richter
Robert Weise-Prüß gründete im Frühjahr die Initiative „Ride2Help“ – Mit dem Erlös unterstützt er neben der DKMS den Potsdamer Verein „Lachen hilft“
Potsdam/Jüterbog. Mehrere Clowns kommen mit bunter Beleuchtung auf den Hof eines Seniorenheims oder eines Hauses für von Obdachlosigkeit bedrohte Familien oder eine neurologische Rehaklinik für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Sie greifen zu den Sternen und zu ihren Instrumenten und Mikrofonen. Mit ihren Klängen locken sie Menschen an die Fenster, auf die Balkone oder auf den Hof. Dann klettert ein Clown auf eine geschmückte Leiter. So kann er manchen Menschen für einen Moment noch etwas näher sein. Die anderen Clowns kreieren mit Riesenseifenblasen, Jonglage, Tollpatschigkeit, Musik und Poesie einen magischen Moment. Ihre Stimmen klingen ganz nah und noch lange fröhlich und besinnlich nach.
Genau so stellen sich die Klinikclowns vom Potsdamer Verein „Lachen hilft“ ihre neue „Winterwundertour“ vor, mit der sie Farbtupfer in die dunkle kalte Jahreszeit bringen wollen. Am Wochenende überreichte ihnen der Jüterboger Unternehmer Robert Weise-Prüß dazu das nötige Kleingeld in Form eines großen Schecks. Mit der Spende über 3000 Euro möchten die Klinikclowns die Ausstattung für die geplante Tour finanzieren, die noch im Dezember starten und im neuen Jahr fortgeführt werden soll. Denn die Clowns haben Sehnsucht nach bekannten Gesichtern und werden andersherum auch seit Monaten schmerzlich vermisst.
Schon während des ersten Lockdowns tourten Nicola Streifler alias Hella Propella und Tanja Selmer alias Tiffy abwechselnd mit ihren zehn weiteren Clownskollegen durch zahlreiche Einrichtungen. Weil die Klinikclowns diese nicht mehr wie gewohnt besuchen konnten, finanzierten der Awo-Bezirksverband Potsdam e.V. und die Rückenwind Sozialprojekte GmbH im Frühjahr und Sommer das Projekt „Clowns unter dem Balkon“ für Seniorenheime, Pflegeeinrichtungen und auch für viele Familien in deren Kiez. Auch das Awo-Seniorenheim in der Zinnaer Vorstadt in Jüterbog bekam im April Besuch. Tanja Selmer erzählte damals nach dem Auftritt davon, dass ein ältere Herr während ihres Auftritts eine Träne im Auge hatte.
Reaktionen wie diese sind den Klinikclowns nicht fremd. Ob bettlägerige Senioren oder Wachkomapatienten – ein Großteil zeigt noch während oder nach dem Besuch der Clowns sichtbare Fortschritte. „Wir erleben, dass sie aufwachen und sich beteiligen“, erzählt Nicola Streifler. „Wir lieben diese gemeinsamen Momente.“ Vor allem mit bekannten Volksliedern können die Clowns viel bewegen. „Musik ist ein wunderbarer Türöffner“, weiß Tanja Selmer. Mit der neuen Winterwundertour will der Verein die Idee aus dem ersten Lockdown wieder aufgreifen. Allerdings benötigen die Klinikclowns dazu eine bessere Ausstattung und vor allem technische Unterstützung in Form von Mikrofonen, Tonverstärkern, einer Lichtanlage, Lichterketten und geeigneten Requisiten. Dank Robert Weise-Prüß ist das nun möglich.
Der 40-Jährige ist durch eine Recherche im Netz auf die Klinikclowns gestoßen und war sofort begeistert von deren Arbeit. Robert Weise-Prüß bezeichnet sich selbst als sehr emotionalen Menschen. Der Kopf der Werbe- und Internetagentur „whoch3“ erkrankte als Kind an Leukämie. Diese Erfahrung hat ihn dazu bewegt, viele soziale Projekte zu unterstützen. Seine neueste Initiative „Ride2Help“ gründete er im Frühjahr. Das Prinzip: Der 40-Jährige fährt zwischen 3000 und 4000 Kilometer im Jahr mit dem Rennrad und seine Sponsoren belohnen ihn je Kilometer mit 20 Cent. Firmen und Unternehmer aus dem Kreis Teltow-Fläming sowie aus Lutherstadt Wittenberg haben sich beteiligt. „Ich habe meistens spontan einen Gedanken und rufe die Leute dann an und die meisten sagen dann ja“, erzählt Robert Weise-Prüß.
Mit so einem Anruf kam es dazu, dass der Familienvater auch vom Full-Service-Freundeskreis „ilovethisblue“ unterstützt wird. Creative Producer Jana Schütze und Director of Photography Florian Felix Koch werden zusätzlich zur Geldspende einen professionellen Werbefilm für den Verein „Lachen hilft“ oben drauflegen. Denn Robert Weise-Prüß findet: „Es ist wichtig, dass solche Vereine bekannter werden.“
Ein erstes Recherche-Interview für den Werbefilm soll am Wochenende gemacht werden. Laut Jana Schütze und Florian Felix Koch soll der Film Anfang 2021 fertig sein. Für die Klinikclowns, die eher ein schmales Budget für Werbung haben, ist der Imagefilm ein großes Geschenk. Koch sieht es als einen kleinen Beitrag für die Gesellschaft. „Unser Job ist es ja, für andere Marketing zu machen und damit verdienen wir auch unser Geld“, sagt er. „Aber wir haben gemerkt, dass es viele Projekte gibt, die es einfach wert sind, sie zu unterstützen.“
Mehr über den Verein „Lachen hilft“ und die Klinikclowns gibt es unter www.lachenhilft.de