16/10/2020
Mann - Frau - egal: Hauptsache Mensch
Generisches Maskulinum*, gendergerechte Sprache – das sind Wortwendungen, mit denen wir in der jüngsten Vergangenheit immer wieder und immer öfter konfrontiert werden. Genau wie mit einem Sternchen, auf das die Endung -innen folgt. Oder mit der kurzen Atempause, auf das die ausgesprochene Endung -innen folgt.
Ich glaube, es ist rund zwei Wochen her, da ging es bei der Sendung „Hart, aber fair“ mit Frank Plasberg um genau dieses Thema. Nachdem ich mir das Ganze zehn Minuten lang angeschaut hatte, habe ich meinen Freund gebeten, doch bitte umzuschalten. Zu sehr habe ich mich über die Standpunkte einiger der Anwesenden und Anwesendinnen aufgeregt. Ohje, Anwesendinnen unterstreicht mir mein kluges System, ist ja schließlich ein Neutrum, das mit beiden Artikeln anzuwenden ist. Aber da kann man ja schnell mal durcheinander kommen, bei diesem ganzen innen-Wahn, der sich mittlerweile auf allen Kanälen breit macht.
Mich für meinen Teil nervt es einfach nur. Weil ich emanzipiert bin oder weil ich es eben nicht bin? Wenn man meinen Partner fragen würde, würde der zumindest behaupten, dass ich in der Beziehung die Hosen anhabe. Und vermutlich sehe ich es ganz genauso. Ich halte mich auch für emanzipiert, ich – auch wenn das natürlich absolut subjektiv ist – hatte noch nie das Gefühl, dass ich aufgrund meines Geschlechtes irgendwelche Nachteile erfahren hätte. Also zumindest nicht im sozialen, zwischenmenschlichen Bereich. Oder bin ich einfach nur nicht feinfühlig genug im Hinblick auf die Feinheiten der deutschen Sprache, auf das generische Maskulinum, auf eine explizit geschlechtsspezifische Ansprache? Ich glaube kaum. Ich würde eher sagen: Ich pfeife darauf und fühle mich auch dann nicht als Frau diskriminiert, wenn Mann oder Frau auf diesen dämlichen Zusatz *-innen verzichtet.
Ich bin nämlich emanzipiert genug, mich von einer Ansprache im generischen Maskulinum sehr wohl in gleichem Maß angesprochen zu fühlen, wie alle anderen in der angesprochenen Gruppe, auch in gleichem Maß wie alle Männer. Ich bin selbstbewusst genug, um mich deswegen nicht diskriminiert zu fühlen. Das liegt vermutlich zu Teilen in meinem Wesen begründet, ist aber sicherlich immer auch eine Frage der Erziehung und der Sozialisation. Wenn beispielsweise jemand von den Lehrern redet, dann geistert mir keinesfalls das Bild eines männlichen Lehrers durch den Kopf, dann sehe ich vor meinem geistigen Auge nicht etwa eine Gruppe von männlichen Lehrern, nein, dann denke ich an die Pädagogen, die ich kenne – und das sind Männer wie Frauen in gleichem Maße. Dann kategorisiere ich maximal – verwerflich oder nicht – nach „war super“, „war ätzend“, „war langweilig“.
Genauso geht es mir bei meiner Berufsbezeichnung. Wie oft spare ich mir die Endung -in bei Journalist oder Texter, wenn ich über mich selbst rede. Bequemlichkeit? Vielleicht ein bisschen. Aber vor allem: Gleichgültigkeit. Denn ich bin Journalist. Ich bin Texter. Ganz unabhängig von meinem Geschlecht. Und letzten Endes glaube ich, dass wir Frauen endlich mal diese Opferrolle ablegen sollten, in die wir uns durch diese ständige Forderung nach der gendergerechten Sprache begeben.
* Generisches Maskulinum bezeichnet eine in der deutschen Sprache übliche Gebrauchsgewohnheit bzw. Methode, bei der grammatisch männliche Personen- oder Berufsbezeichnungen, die auch eine feminine Wortform haben, in einem verallgemeinernden, generischen Sinne verwendet werden für Personen, deren Geschlecht unbekannt oder nicht von Bedeutung ist. (Quelle: Wikipedia)