21/09/2026
Liebe Freunde!
Heute ist Jom Kippur – das große Umkehr- und Versöhnungsfest. Ein Tag großer Stille und strengen Fastens. Kein Autoverkehr. TV, Radio, Theater und Restaurants – alles still. Zur Zeit des Tempels durfte nur an diesem Tag der Hohepriester das Allerheiligste betreten und für die Versöhnung des Volkes beten.
Bis zum Jom Kippur läuft die Frist für die Eintragung in das Buch des Lebens, daher kann man in den Tagen von Rosch ha-Schana bis zum Versöhnungstag durch gute Taten und ein gutes Leben seine Chancen verbessern. In diesen Tagen begrüßt man sich mit: „Mögest du (im Buch des Lebens) für ein glückliches Jahr eingeschrieben werden.“ Heute feiern wir auch den Festtag des Evangelisten Matthäus. Jesus hat ihn voll Erbarmen angeblickt und zu seinem Apostel berufen. Ein Zöllner (ein Kollaborateur der römischen Besatzungsmacht) wurde so zum Evangelisten. Das Erbarmen Gottes kommt in seinem Evangelium auch in sehr kräftiger Weise zum Ausdruck. Der liebende Blick Jesu, in dem uns sein ganzes Erbarmen erreicht, möge uns immer wieder zu Umkehr und Buße bewegen und den Weg seiner Liebe und seines Friedens beschreiten lassen.
Nach meinem Urlaub im August bin ich nun schon wieder drei Wochen im Heiligen Land. Es begann sehr intensiv mit dem Besuch des österreichischen Statthalters des Ordens vom Heiligen Grab in Jerusalem, der mit dem Kanzler und dem geistlichen Zeremoniär zu uns kam. Wir besuchten den Patriarchen, Bethlehem, Ramallah und Taybeh und feierten eine Messe im Heiligen Grab. Die Lage der Christen ist sehr schwierig. Viele leiden unter den Spannungen und Konflikten im Land, unter Übergriffen von Siedlern und unter Schwierigkeiten mit den israelischen Behörden. So wollte man am Beginn des neuen Schuljahres keine Lehrer aus dem Westjordanland mehr in Jerusalem unterrichten lassen. Jetzt hat man diese Maßnahme bis zum nächsten Jahr aufgeschoben… In gut einem Monat sind in Israel Neuwahlen. Im Moment stehen sich der Regierungs- und der Oppositionsblock in den Umfragen ziemlich gleich stark gegenüber. Schlimmstenfalls droht eine Serie von mehreren Wahlen hintereinander – wie beim letzten Mal. Hoffen wir das Beste…
Im Hospiz läuft alles gut. Wir haben heuer nur zwei neue Zivildiener, die ihre Arbeit aber sehr tüchtig machen. Dazu kommen eine 18-jährige Praktikantin und fünf Volontärinnen, die uns sehr kräftig unterstützen.
Unser Café Triest läuft gut – an Samstagen und Sonntagen bilden sich sogar Schlangen… Die Übernachtungsgäste im Hospiz sind zwar noch spärlich, aber es kommen auch schon wieder Gruppen, und für Oktober/November sieht die Sache gar nicht schlecht aus.
Bei meiner Ankunft empfing mich schon am zweiten Tag ein Boiler, der aus allen Löchern rann. Das konnte nach drei Tagen zwar notdürftig behoben werden, aber die Sanierung der ganzen Heizungsanlage steht dringend an. Ich würde gerne Photovoltaik am Dach installieren (Platz genug dafür wäre frei). Ich hoffe, dass die Architekten bald mit ihren Voranschlägen kommen, damit wir rasch ans Werk gehen können. Dies und die übrigen Aufgaben: Sanierung der Küche, Trockenlegung der Kellerräumlichkeiten, Erweiterung der Rohrleitungsschächte und Verbesserungen vor allem der Nassräume in den Zimmern werden uns noch einiges kosten.
Da unsere Reserven in den vergangenen Jahren stark beansprucht wurden, gilt es wieder einmal, an die Spendenbereitschaft von euch allen zu appellieren. Bitte lasst uns nicht im Stich!
Vor allem ist es wichtig, dass wieder viele Pilger ins Heilige Land kommen.
Habt Mut und macht euren Freunden und Bekannten Mut, hierher zu reisen. Aber so viel Mut braucht es eigentlich gar nicht. Ich selbst bin ein körperlich eher feiger Mensch, aber ich habe mich hier nie bedroht oder auch nur belästigt gefühlt. Ich erlebe hier eine friedliche Atmosphäre. Die weltpolitische Situation kann sich natürlich immer ändern. Aber wenn Flüge aus diesem Grund gestrichen werden, erhält man ohnehin meist sein Geld zurück und selbst in Zeiten des Krieges ist die Altstadt von Jerusalem einer der sichersten Orte der Welt, weil kaum ein Feind sie angreifen will – wegen der eigenen heiligen Stätten.
In Österreich hat es im vergangenen Jahr mehr Messerattentate gegeben als in Jerusalem, wo nur ein einziger Versuch stattfand. Auch Pilger und Touristen waren hier nicht das Ziel solcher Angriffe. Habt also Mut zum Spenden und Freude zum Kommen!
Für junge Leute ist auch der Zivil- und Freiwilligendienst hier eine erfüllende und bereichernde Aufgabe. Und ältere Menschen können sich als Volontäre einbringen und so an der familiären Atmosphäre unseres Hauses teilnehmen und das Land erleben.
Zuversicht ist unser Motto!
Mit herzlichen Grüßen
Franz Xaver Brandmayr
Rektor
Spendenkonto für die Generalsanierung
Bezeichnung: Österreichisches Pilger-Hospiz zur Heiligen Familie in Jerusalem
IBAN: AT171919000400150124
BIC/SWIFT-Code: BSSWATWW